Veteranen auf Jobsuche

Sie sind zurück auf der Straße

Sie spielten jahrelang in riesigen Stadien, badeten in Adrenalin und kassierten einen Batzen Geld. Doch dann kam die Krise, der Vertrag wurde nicht verlängert, und plötzlich stehen sie ohne Verein da. Und was jetzt? Imago Sie wurden 2002 Vizeweltmeister, haben etliche Bundesligaspiele auf dem Buckel, doch im Moment kreisen sie in der Warteschleife: Die Fußball-Profis Marko Rehmer und Torhüter Jörg Butt sind wie so manch anderer Kollege auch wenige Wochen vor Saisonbeginn noch auf der Suche nach einem neuen Arbeitgeber. Doch während die beiden ehemaligen Nationalspieler ohne großen finanziellen Druck Angebote sondieren können, ist für viele Akteure im Millionengeschäft Fußball der "Arbeitslosen-Lehrgang" der Vereinigung der Vertragsfußballspieler (VdV) die letzte Hoffnung.

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Diese Dienstleistung will Rehmer nicht in Anspruch nehmen. "Ich muss nicht mehr auf Teufel komm raus zu einem Verein, nur damit ich noch ein Jahr dranhängen kann", sagt der 35-Jährige, der in der abgelaufenen Saison auf lediglich zwölf Einsätze für Eintracht Frankfurt kam. Lose Kontakte zu Klubs würden auch so bestehen, erklärt Rehmer: "Ich fühle mich fit und könnte mit Sicherheit noch einigen Teams in der ersten Liga helfen." Sollte sein Handy dennoch stumm bleiben, will der 225-malige Bundesligaspieler im September seine Karriere beenden. Dann beginnt ein Trainer-Lehrgang, bei dem er die Weichen für einen neuen Lebensabschnitt stellen könnte. "Noch gebe ich die Hoffnung nicht auf. Aber ich bin in einem Alter, in dem man an seine Zukunft als Nicht-Profi denken muss", meint der Berliner.

An ein Karriereende verschwendet Torhüter Butt indes keine Gedanken. Der 33-Jährige, der bei Bayer Leverkusen seinen Stammplatz an Rene Adler verloren und daraufhin von einer Ausstiegsklausel im eigentlich bis 2009 laufenden Vertrag Gebrauch gemacht hatte, sucht außerhalb der Bundesliga eine neue Herausforderung: "Es war schon immer mein Ziel, am Ende meiner Laufbahn im Ausland zu spielen." Konkrete Angebote aus der Türkei und Griechenland hat er unverhandelt abgelehnt. "Ich will in eine der drei Top-Ligen Europas", erklärt Butt. Aktuell soll der spanische Erstligist UD Levante um den Keeper buhlen.

Wer sich ein halbes Jahr nicht zeigt, ist raus aus dem Spielerkarussell

Ebenfalls auf Angebote aus dem In- und Ausland warten die Bundesliga-Kicker Andreas Reinke, Filip Trojan, Ahmed Madouni oder Marian Christow. Vielleicht wird sich der eine oder andere beim am 10. Juli beginnenden Trainingscamp der VdV einfinden. "Wir bieten den Spielern eine Plattform zur Präsentation. Wer sich ein halbes Jahr nicht zeigt, ist fast schon raus aus dem Spielerkarussell", erklärt VdV-Geschäftsführer Ulf Baranowsky. Über einen Zeitraum von drei Monaten können die Fußballer unter der Leitung des ehemaligen Bundesliga-Profis Karsten Baumann kostenlos trainieren und sich in Testspielen potenziellen neuen Arbeitgebern präsentieren. Bereits jetzt haben sich bei der fünften Auflage über 20 Spieler angemeldet, mehr als 50 Teilnehmer werden erwartet.

Einer von ihnen ist Profi Salif Keita. Der 31 Jahre alte Senegalese mit belgischem Pass schnürte bis vor wenigen Wochen seine Schuhe für Zweitligist TuS Koblenz. Jetzt hofft der Stürmer, durch das Camp "fit zu werden, Kontakte zu knüpfen und bei einem Verein eine neue Chance zu bekommen". Die Aussichten darauf sind gut. In den letzten Jahren blieben lediglich rund zehn Prozent der Teilnehmer ohne neuen Klub. "Die Spieler müssen zwar meist finanzielle Abstriche machen und eine Klasse tiefer spielen", meint Baranowsky. "Aber wer den Kampf annimmt, kommt in dem Geschäft schnell wieder hoch."