Verkaufe nicht Deinen Verein!

Jesus mit der Fackel

Investoren und private Vereinsbesitzer sollen den deutschen Fußball demnächst auf Vordermann bringen. Das könnte lustig werden, wie Beispiele aus anderen Ländern zeigen.

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Familie Glazer
Manchester United
England
2005 bis heute

Die Mutter aller düsteren Vereinsübernahmen gelang der amerikanischen Glazer-Familie, die den damals wertvollsten Fußballklub der Welt über Schulden finanziert so kaufte, dass der Klub den Besitzerwechsel quasi selbst abbezahlen musste. Eine Folge war die drastische Erhöhung der Eintrittspreise und wütende Fan-Proteste unter dem Slogan »Hate Glazers, Love United«.

Viele Anhänger gaben ihre Dauerkarten zurück und drückten ihre Liebe zu United in einem neuen Klub aus. Sie gründeten 2005 den FC United of Manchester, der inzwischen sechstklassig ist und ein eigenes Stadion hat.



David Cardoza
Northampton Town
England
2005 bis 2015

Kurz nachdem David Cardoza im November letzten Jahres die Mehrheit am bescheidenen englischen Drittligisten verkauft hatte, wurde er verhaftet. Die Staatsanwaltschaft warf Cardoza vor, mehr als zehn Millionen Pfund gestohlen zu haben, die er von der Stadt Northampton zum Ausbau des Stadions geliehen hatte.

Der Prozess ist noch nicht abgeschlossen. Durch die Verhaftung entging Cardoza aber möglicherweise dem 50 Jahre alten Northampton-Fan Michael Danaher, auf dessen »Todesliste« Cardoza stand, weil er den Klub ruiniert hatte. Danaher wurde wegen Mordes in einem anderen Fall zu lebenslanger Haft verurteilt.



Luciano Gaucci
AC Perugia
Italien
1994 bis 2005
Vielleicht wusste Luciano Gaucci nicht wirklich, wie man einen Fußballverein vernünftig führt, aber wie man für einen Provinzverein so laut die Werbetrommel rührt, dass man es bis in den letzten Winkel der Welt hören kann, das wusste er ganz sicher. So versuchte Gaucci nicht nur, die deutsche Nationalspielerin Birgit Prinz in die Serie A locken, sondern auch die Kapitänin der schwedischen Nationalmannschaft.

Allerdings sagte er ihr sofort ab, nachdem ihm zugetragen wurde, sie sei lesbisch. Auch kündigte Gaucci 2002 theatralisch den Vertrag mit seinem südkoreanischen Spieler Ahn Jung-Hwan, nachdem dieser bei der Weltmeisterschaft in Korea mit seinem Tor die italienische Nationalmannschaft aus dem Viertelfinale geschossen hatte.

»Ich bin nicht bereit das Gehalt von jemandem zu bezahlen, der den italienischen Fußball ruiniert hat«, sagte Gaucci. Doch seinen ganz großen Auftritt hatte er mit der Verpflichtung von As-Saadi al-Gaddafi, dem Sohn des damaligen libyschen Machthabers. Das sorgte für globales Aufsehen, und bezahlt wurde der prominente Kicker auch noch aus Libyen.

Da konnte die römische Zeitung »La Repubblica« noch so wunderbar über As-Saadi spotten, wie sie wollte: »Selbst wenn er doppelt so schnell wäre, wie er im Moment ist, wäre er immer noch doppelt so langsam wie die Langsamkeit selbst.« Der Präsidentensohn spielte letztlich fast nie, aber nachhaltig war Gauccis spektakuläre PR für seinen Klub nicht. 2005 war Perugia pleite, anschließend musste Gaucci wegen Steuervergehen für drei Jahre ins Gefängnis.