Valentino Lazaro über die österreichische Nationalmannschaft

»Foda nimmt seine Aufgaben sehr ernst«

Ist es in Österreich ein Thema, dass ein Deutscher die Nationalmannschaft trainiert?
Nein. Zum einen ist Franco Foda schon so lange in Österreich tätig. Er nimmt die Aufgabe als Nationaltrainer sehr ernst und identifiziert sich zu 100 Prozent mit dem ÖFB. Zum anderen hatten wir davor einen Schweizer, Marcel Koller. Man merkt einfach, wie beide Trainer dahinter stehen. Natürlich ist das ihr Job, aber ich habe das Gefühl, dass es auch eine Herzensangelegenheit ist.

Hat Österreich ein Trainerproblem?
Ich denke nicht. Zwei von uns saßen ja in der vorigen Saison in der Bundesliga, bei Dortmund und Leipzig, auf der Bank, und jetzt wechselt Adi Hütter als aktueller Schweizer Meister zu Eintracht Frankfurt. Es gibt schon sehr gute österreichische Trainer.

Wissen Sie eigentlich, dass Marcel Koller Sie bei Hertha empfohlen hat?
Ja, das hat mir unser Co-Trainer Rainer Widmayer erzählt.

Koller soll gesagt haben: »Der Lazaro, das ist ein Guter. Den könnt ihr nehmen.«
Es freut mich, dass er ein gutes Wort für mich eingelegt und positiv über mich gesprochen hat. Marcel Koller hat mich auch sehr gefördert.

Unter ihm sind Sie Nationalspieler geworden. Hat seine Entlassung Sie deshalb besonders belastet?
Für einen jungen Spieler auf dem Sprung ist es wichtig, auch eine Art Beziehung zu seinem Trainer aufzubauen - damit er weiß, dass er sich auf dich verlassen kann und was er von dir bekommt. Marcel Koller hat mich sehr früh in die Nationalmannschaft berufen, nach gerade sechs oder sieben Einsätzen in der Bundesliga in Österreich. Meine Dankbarkeit bleibt. Aber jetzt ist eine neue Zeit angebrochen.

Was hat sich unter Foda verändert?
Franco Foda ist ein Trainer, der genau weiß, was er macht. An der Philosophie wurde ein bisschen geschraubt, aber nicht zu viel. Man hat ja auch nicht so viel Zeit zusammen. In der kurzen Zeit muss man eine gute Teamchemie entwickeln. Das Mannschaftsgefüge, der Spirit - das ist ganz wichtig. Daran wurde und wird gearbeitet.

Inwiefern helfen Ihnen Ihre Erfahrungen aus dem ersten Jahr in der Bundesliga?
Für mich war die deutsche Mentalität mit ein Grund, warum ich in die Bundesliga wollte und nicht nach England oder Spanien. Ich hatte gehofft, dass mich das weiterbringt und pusht.

Und?
Es ist ein ganz anderer Anreiz, vor 40 000 oder 50 000 Zuschauern zu spielen als vor 8000 oder 10 000. Man darf sich keine Pause gönnen, muss körperlich topfit sein, laufen können und auf meiner Position auch noch kreativ sein. Das auszuspielen, auf so einem hohen Level, das bringt dich weiter. Mein Wechsel nach Deutschland hat auch mein Standing in der Nationalmannschaft verbessert. Ich habe die letzten zwei Spiele beginnen dürfen. Wenn man dir sagt, du hast dich gesteigert, dann ist das ein sehr gutes Gefühl. Aber genau an diesem Punkt darf man auch nicht aufhören. Man muss dranbleiben.