Valentino Lazaro über die österreichische Nationalmannschaft

»Wir wollen uns die Euphorie zurückholen«

Nach der erfolgreichen Qualifikation für die EM 2016 dachte man: Im österreichischen Fußball wächst gerade eine neue goldene Generation heran. Was ist seitdem passiert?
In der EM-Qualifikation haben wir bewiesen, welche Qualität wir haben. Warum wir dann bei der Endrunde in Frankreich einen Knick erlebt haben - ich weiß es nicht. Nach der EM war die Stimmung in Österreich irgendwie komisch. Einige haben gleich wieder den Glauben an die Mannschaft verloren: »Hm, vielleicht sind die doch nicht so gut.« Die Euphorie aus der EM-Qualifikation wollen wir uns jetzt zurückholen.

Österreich hatte es immerhin bis auf Platz zehn der Fifa-Weltrangliste geschafft.
In der Qualifikation zur Europameisterschaft sind wir mit neun Siegen und einem Unentschieden vor Russland und Schweden Gruppensieger geworden. Im ersten Spiel bei der EM gegen Ungarn hatten wir schon in den ersten fünf Minuten zwei Stangenschüsse. Und dann gerätst du 0:1 in Rückstand. Jeder von uns ist mit der Gewissheit ins Spiel gegangen: Das werden wir gewinnen. Niemand hat sich Gedanken gemacht: Was tun wir eigentlich, wenn wir mal in Rückstand geraten? Das war ein komplett neues Gefühl, ein ganz anderer Druck. Und das hat dann auch die restlichen beiden Spiele beeinflusst, obwohl wir gegen den späteren Europameister Portugal ein 0:0 geschafft haben. Wir haben nie das abgerufen, was wir wirklich können. Nach der EM gab es eine Down-Phase. Aber mit dem neuen Teamchef haben wir wieder so eine Chemie in die Mannschaft bekommen, dass man sagen kann: Da wächst was.

Die ersten vier Spiele unter Franco Foda hat die Mannschaft gewonnen.
Wir haben guten Fußball gespielt und Tore gemacht. Deshalb freuen sich alle auf die Duelle mit Deutschland und Brasilien. Zu solchen Testspielen kommen viele Leute ins Stadion, und wenn sich die Mannschaft da gut präsentiert, merken alle, dass da wieder etwas wächst.

Bei der Nations League nach der WM ist Österreich nur zweitklassig. Entspricht das dem aktuellen Niveau der Mannschaft?
Momentan befinden wir uns da richtig. Wir sind dabei, uns so zu formieren, dass wir wieder oben angreifen können. Wir haben das Potenzial für attraktiven Fußball. Wir wollen auf jeden Fall wieder zu einer Endrunde kommen.

Was halten Sie von der Nations League?
Positiv ist, dass sie die Testspiele ersetzt. Das ist ein neuer Reiz. Von der ersten Idee her finde ich den Wettbewerb gut. Und für Österreich ist das eine weitere Option, sich für die EM 2020 zu qualifizieren. Wir nehmen das ernst, und wir haben Gegner bekommen, die für uns schwierig, aber auch machbar sind.

Sie stammen aus Graz. Wie groß ist eigentlich die Rivalität zwischen dem Grazer AK und Sturm Graz?
Die ist schon noch groß, obwohl der GAK nach mehreren Konkursanträgen nicht mehr in der Bundesliga spielt. Nach der Neugründung musste er in der siebten Liga angefangen, seitdem ist er jedes Jahr aufgestiegen. Selbst in der vierten Liga kommen an die 4000 Zuschauer zu den Spielen. Der Klub ist wieder im Kommen.

Ist es ein Problem für einen GAKler wie Sie, in der Nationalmannschaft unter Franco Foda, dem früheren Meistertrainer von Sturm, spielen zu müssen?
Natürlich nicht. Ich bin ja nie für den GAK in der Bundesliga gegen Sturm aufgelaufen, weil ich schon früh nach Salzburg gewechselt bin. Viele Spieler von Sturm haben früher mal beim GAK gespielt. Der hatte einfach die bessere Nachwuchsabteilung. Michael Gregoritsch aus Augsburg und Marcel Sabitzer aus Leipzig haben da auch gespielt. Wir kennen uns bestimmt schon 15, 16 Jahre.

Foda hat fast sein gesamtes Trainerleben in Österreich verbracht. Woran merkt man, dass er Deutscher ist?
Seinen Akzent hat er nicht verloren. Er redet noch wie ein Deutscher. Und er bringt die deutsche Mentalität ein, so wie er das schon bei Sturm Graz getan hat.