Unvorhersehbarer Glücklichmacher

Lackierer und Königstransfer

Erst mit seinem - noch günstigeren - Wechsel zur TSG Hoffenheim hat sich Schulz nun auf ein Level gespielt, das viele Menschen in Fußballdeutschland zur unumwundenen Meinung brachte: Das wäre doch einer für die Nationalmannschaft! (Für Detektive: Wer immer dem Ganzen ein »Habe ich schon immer gesagt« anfügt, enttarnt sich selbst als Lügner!)



Dem kann man gern zustimmen, denn tatsächlich ist die Entwicklung unter der offenbar sehr fachkundigen, hilfreichen Anleitung von Julian Nagelsmann beachtlich. Vorausgesehen hat diese Entwicklung jedoch - niemand. 

Lackierer und Königstransfer

Der Fußball mag noch so sehr und zurecht vermessen sein; die Statistik- und Scouting-Dienste, die Schulz’ Nationalmannschaftskarriere auch schon anhand seiner Einsätze und Leistungen für  Borussia Mönchengladbach haben kommen sehen, wird man nicht finden.



Und Schulz ist keine Ausnahme. Wer hätte dem Sandro Wagner, der bei Werder Bremen oder Hertha BSC auf der Ersatzbank verkümmerte, tatsächlich zugetraut, nochmals vom FC Bayern München verpflichtet zu werden? Als Nationalspieler? 

Wer hätte vermutet, dass der gelernte Lackierer André Hahn, der noch vor fünf Jahren in der Regionalliga kickte, mal als Königstransfer eines Bundesligisten gelten würden, und sei es auch nur der HSV?

Es gibt viele schlaue Ansätze, den Fußball und Fußballer zu erklären, zu durchleuchten, sie einzuordnen und zu bewerten. Ansätze, die immer zahlreicher und allein deshalb immer präziser werden.

Kein Aufruhr, aber ein Glucksen

Und trotzdem sind die möglich, die verschwurbelten Karrieren von Nico Schulz, Sandro Wagner und André Hahn. Sie sind der Beweis dafür, dass der Fußball nicht nur Moneyball ist, nicht nur Kalkül. Sondern auch immer noch: Meschugge. Zufall. Wahnsinn.

Man muss darüber nicht in euphorische Aufruhr verfallen. Aber vielleicht in das beruhigte Glucksen, dass einer Liebe zuteil wird, an der man hin und wieder zweifelt, und die einem im Kleinen dann aber doch immer wieder zeigt: ich bin noch da.

Und allein daher, als wäre der wundersame Zufall im Fußball nur ein Rülpser und Dietmar Hopp und SAP und Hoffenheim zum Trotz ein leises, aber bestimmtes: Schulz.

Ein Interview mit Nico Schulz über die Zeit auf der Ersatzbank in Mönchengladbach findet ihr hier >>>