Unterwegs in der Dritten Liga

Es riecht nach Action

Wie ein Linienrichter geht er im Stadion auf und ab. Während die anderen Fotografen durch ihre Objektive den Rasen und abgekämpfte Spielergesichter anvisieren, blickt Bertram auf Schals, auf leuchtende Augen und klatschende Hände. Es gibt ein Bild von ihm, bei dem machen fünf Fotografen gerade ein Bild vom Spielfeld, während er sich umdreht und auf die Ränge hält. »80 Prozent meiner Arbeit sind Fotos von der Tribüne«, sagt er.

»Das ist eine Parallelwelt, die ich auch nicht erreiche«

Bertram bewegt sich zwischen dem Rasen und der Tribüne und spürt als erster, ob ein Spiel den Idealzustand erreicht, bei dem Faneuphorie auf dem Feld etwas bewirkt. »In einem Bereich, der den meisten Journalisten und Fans verborgen bleibt.« Dazu gehört auch die schattige Seite des Fußballs: Späher der Fanszenen, die an Bahnhöfen stehen und ihre Leute über An – und Abfahrten der Anderen informieren. Die Klischeegeschichten über spontane Überfälle und über Aufmärsche schwarz gehüllter Männer.

»Das ist eine Parallelwelt, die ich auch nicht erreiche«, sagt er, »mich faszinieren aber die Leute, die in jeder Situation für ihren Verein da sind.« Auch in Schlägereien? »Das lässt sich nicht vermeiden.« Bisher blieb es in der dritten Liga erstaunlich ruhig, obwohl viele der Ost-Duelle als Risikospiele eingestuft sind, die Fans hielten die Füße still, sagt Bertram. Das Geschenk Dritten Liga darf nicht kaputt gehen. 

Magdeburg gewinnt gegen Wiesbaden 1:0, Bertram wird aber in seinem Bericht mehr auf die Magdeburger Fan-Choreographie eingehen, das Fahnenmeer beschreiben, den blauen und weißen Rauch erwähnen und die Ansprache, die der Vorsänger der Ultras am Ende an die Mannschaft richtet.

»Einer muss es ja machen«

Als nächstes spielt Magdeburg in Dresden, für ihn eines der Highlights der Saison. Am Bierstand vor dem Spiel hat er aufgeschnappt, dass die Meldung der »Bild«, wonach sich der Verein und die Fans auf Zurückhaltung verständigt haben, wohl nicht stimmt. Es riecht nach Action. Bertram hebt die Augenbrauen: »Ich freu mich drauf.«

Magdeburg, Dresden und Rüdersdorf, noch sind das Namen für ein Fußball-Nischenpublikum. Der Osten wird noch brauchen, bis er sich auch im Fußball mit dem Westen auf Augenhöhe messen kann und die Öffentlichkeit mehr über den Fußball in dieser Ecke Deutschlands erfahren möchte. Bis dahin wird Marco Bertram von dort berichten. »Einer muss es ja machen«, sagt Bertram auf der Rückfahrt vom Pokalspiel in Rüdersdorf in der alten DDR-Straßenbahn, »es macht ja sonst keiner.«