Unsere Typen des Jahres: Union Berlin

Eisern den Rücken runter

Als ihr Kollege Benjamin Köhler an Krebs erkrankte, zeigten sich die Spieler von Union Berlin solidarisch – mit einer bewegenden Aktion. Thomas Hitzlsperger über unsere Typen des Jahres.

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Am 5. Februar erhielt Benjamin Köhler von seinem Arzt eine der schrecklichsten Diagnosen, die man nur bekommen kann, denn bei ihm war Krebs festgestellt worden. Ich vermag mir kaum vorzustellen, wie es ihm in den ersten Tagen danach ging. Und ich kann nur ahnen, wie schwer es für seine Mannschaftskameraden war, einen angemessenen Umgang damit zu finden.

»Eisern bleiben, Benny!«

Um so bewegter war ich, als ich zwei Tage nach der niederschmetternden Diagnose ihre Aktion für den kranken Kollegen sah. In der siebten Minute des Heimspiels gegen den VfL Bochum nutzten sie eine Spielunterbrechung und liefen vor der Tribüne zusammen, um Köhler ihre T-Shirts unter den Trikots zu zeigen. Dort war eine Sieben zu sehen, seine Rückennummer, dazu trug das Team ein Spruchband mit dem Slogan: »Eisern bleiben, Benny!«

Ich fand die Aktion sehr bewegend, wie wohl alle, die sie gesehen haben. Sie zeigt mir auch, was im Fußball möglich ist. Die Spieler von Union bewiesen auf außergewöhnliche Weise ihre Anteilnahme und gaben ein Beispiel dafür ab, wie man als Mannschaft mit einem solch schweren Thema umgehen sollte. Dass man sich nicht von einer schweren Krankheit einschüchtern lässt. Dass man nicht kleinlaut herumdruckst, sondern dem Teamkollegen laut und deutlich die Unterstützung zeigt.

Menschliches Miteinander – trotz der alltäglichen Härte

Es hätte bestimmt auch Mannschaften gegeben, die das Thema eher verdrängt hätten. Dass die Unioner sich anders verhalten haben, macht sie völlig zurecht zu den »Typen des Jahres«. Sie haben bewiesen, dass man auch angesichts der Härte des Profigeschäfts im entscheidenden Moment menschlich miteinander umgehen kann.

Inzwischen sind fast fünf Monate vergangen und Benjamin Köhler hat seine Chemotherapie beendet. Inzwischen kümmert er sich nicht mehr nur um den eigenen Kampf gegen den Krebs. So verkauft er etwa ein T-Shirt mit der Aufschrift »Beat Cancer«, dessen Gewinne der Deutschen Knochenmarkspendedatei zugutekommen. Union und seine Fans engagieren sich ebenfalls weiter bei diesem Thema, über 2000 Zuschauer haben sich bei einem der letzten Heimspiele typisieren lassen. Das ist beeindruckend, aber vor allem wünsche ich Benjamin Köhler und den Unionern, dass sie bald wieder gemeinsam als Fußballer auf dem Platz stehen.