Unsere letztjährigen Thesen zum Zweitligastart – und was aus ihnen wurde

Spitzenteam von der Alb, Torschützenkönig aus Franken

Heidenheim ist ein Spitzenteam!
Es gibt ein paar Dinge, die sich im Fußball oftmals auszahlen: Konstanz, Geduld und ein gutes Händchen für neue Spieler. Am 17. September feiert Trainer Frank Schmidt sein zehnjähriges Jubiläum. Im Eiltempo führte der den FCH aus der Oberliga in die 3. Liga. Nach fünf stabilen Jahren ging es dann noch mal höher. In der Zweiten spielen die Heidenheimer seit drei Jahren eine sehr gute Rolle. Mit Demut und ehrlicher Arbeit kam man nie schlechter als auf dem elften Platz ins Ziel. Ohne schwerwiegenden Abgang aber mit zwei starken und ablösefreien Neuen klettern die Jungs von der schwäbischen Alb endgültig in die Spitzengruppe. Mit Maxi Thiel von Union Berlin und Kolja Pusch, einem Regensburger-Aufstiegshelden, werden die Heidenheimer in der Offensive technisch versierter und flexibler auftreten. Die Defensive gehört weiterhin zu den besten der Liga, im Angriff will die lebende Legende Marc Schnatterer einfach nicht in die Jahre kommen. Vereinzelte Tiefschläge stecken Schmidt und Co. locker weg, das Umfeld macht dem Team keinen Druck. Die befreit aufspielenden Heidenheimer krallen sich vom Start weg oben fest und landen in der Endabrechnung unter den besten Fünf. 

Ein Jahr später: Als wir letztes Jahr vorhersagten, dass der FC Heidenheim oben mitmischen könnte, protestierte sogar der Klub selbst und kommentierte unseren Facebook-Post mit »Gaaaaaanz ruhig!«. Und naja, sie scheinen bei FCH mehr Ahnung von Fußball zu haben als wir, was erklärt, dass die Heidenheimer in der zweiten Bundesliga spielen (auch wenn sie nach zähem Abstiegskampf nur 13. wurden), und wir bei »Anstoß 3« nach zwei Saisons immer mit Cheats spielen müssen. 

Hofmann wird Torschützenkönig!
Er galt als neue deutsche Mittelstürmer-Hoffnung, konnte dem Ruf aber nie gerecht werden. 21 Tore in 92 Zweitligapartien für Paderborn, Ingolstadt und Kaiserslautern sind in Ordnung, entfachen aber keine Jubelarien. Im Kopf blieb eher der Mario-Gomez-Gedächtnisfehlschuss aus zwei Metern. Aber das ist Geschichte. Zuletzt probierte es der immer noch erst 24-Jährige in England, bei Brentford. Auf vier Hütten brachte es die 1,95-Meter-Kante, die meist als Joker eingesetzt wurde. Nun greift Hofmann im Frankenland an und kann dort auf viele Einsatzzeiten hoffen. In Fürth, wo keine notorischen Torlos-Minuten-Zähler auf der Tribüne sitzen, wird er, im wahrsten Sinne, seine Chancen kriegen - und nutzen. Umgeben von spielenden Stürmern wie Veton Berisha und Mathis Bolly kann sich Hofmann voll und ganz auf seine Kernkompetenzen - ackern, schießen, köpfen - konzentrieren. Der Spielertyp ist wie gemacht für die kampfbetonte zweite Liga. Die in England gesammelten Erfahrungen werden ihn nur noch härter im Nehmen gemacht haben. Sobald die erste Hütte aus dem Weg ist, wird Hofmann in einen geschmeidigen Rhythmus kommen und die Dinger machen, die er früher gerne kläglich vergab. Das Kleeblatt darf sich rückblickend über einen Transfer-Coup und den ersten eigenen Torschützenkönig seit Olivier Occéan freuen. 

Ein Jahr später: Vom Torschützenkönig war Philipp Hofmann exakt 16 Treffer entfernt, er selbst erzielte nämlich nur zwei, Kiels Marvin Duksch 18 Tore, was sooo viele ja nun auch nicht sind. Und das trotz »spielenden Stürmern wie Veton Berisha und Mathis Bolly«, was exakt die Textstelle ist, an der laut unserem digitalen Auswertungstool die meisten Leser augenrollend ausgestiegen sind. Hofmann stieg mit Fürth um ein Haar ab und kickt jetzt in Braunschweig in der Dritten Liga, wir hingegen sind nicht belehrbar und haben wieder Thesen zur Zweitliga-Saison aufgestellt. Viel Spaß beim Augenrollen.