Unser Typ der Saison: Claudio Pizarro

Leistung für Liebe

Claudio Pizarro war Klaus Allofs’ erster Transfer, und nicht sein schlechtester. Vor der 11FREUNDE-Meisterfeier am Samstag verrät Allofs, was unseren Typen der Saison so besonders macht.

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Wenn man als Manager anfängt, sollte der erste Transfer nicht gleich nach hinten losgehen. Insofern habe ich mit Claudio Pizarro natürlich Glück gehabt. 17 Jahre später kann man sagen: Claudio ist für die gesamte Bundesliga ein Glücksfall.  

Ich war damals erst kurz im Amt. Unser Vorstandsvorsitzender Jürgen L. Born hatte gute Kontakte nach Südamerika, eines Tages kam er mit einer Videokassette von Claudio Pizarro in mein Büro. Es hat nur wenige Augenblicke gedauert, bis ich mir sicher war, diesen 20-Jährigen unbedingt holen zu wollen. Eigentlich war es fast nur eine Szene auf besagter VHS: Ein Fernschuss klatschte an den linken Torpfosten, und während alle anderen Spieler zum linken Pfosten liefen, um den Abpraller zu bekommen, orientierte sich Claudio zum rechten, wo der Ball schließlich auch hinsprang. Ich sah sofort: Er hatte das Torjäger-Gen.

Claudio kam in einem weißen Sportwagen vorgefahren

Wir flogen also nach Peru und trafen uns zu Vertragsgesprächen. Claudio kam in einem weißen Sportwagen vorgefahren, nach zähen Verhandlungen fuhr er uns wieder zum Flughafen, wo er schließlich den Vertrag unterschrieb, während es für uns den letzten Aufruf gab. Als er dann in Deutschland war und ein Auto vom Verein bekommen sollte, stellte sich heraus, dass er noch gar keinen Führerschein hatte.

Man sollte allerdings nicht den Fehler machen, und Claudio wegen solcher Geschichten für einen Hallodri halten. In Lima gingen die Uhren damals anders, und mir war schnell klar, dass Claudio ein feiner Kerl aus einem intakten Umfeld ist, der mit den richtigen Werten aufgewachsen war: Demut, Bescheidenheit, Loyalität.