Unser Trainer der Saison: Thomas Tuchel

»Er macht Klopp vergessen«

Der Sänger Max Herre kennt Dortmunds Trainer schon ziemlich lange. Für ihn ist er nicht nur ein cooler Typ, sondern auch einer, der den Fußball insgesamt nach vorne bringt.

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Die Radio Bar ist mal ein Fachgeschäft für Tontechnik mitten in Stuttgart gewesen, in dem man auch Schallplatten und Instrumente kaufen konnte. Dieser Laden ging irgendwann in den Neunzigern pleite und wurde plötzlich einer der interessantesten Orte der Stadt. Auf einmal hatten dort alle ihre ersten Büros, gab es einen Plattenladen, einen für Skate-Klamotten und besagte Radio Bar, in der ein gewisser Thomas Tuchel Barkeeper war.

Ein cooler Typ

Wir sind der gleiche Jahrgang, waren damals Mitte 20 und hingen in den gleichen Kreisen ab. Er war damals ein cooler Typ, und ich erwähne das, weil er das heute auch noch ist. Ich kann mir als Musiker gar nicht richtig vorstellen, wie man damit umgehen kann, was auf einen als Trainer einprasselt. Für mich ist das Wahnsinn, wenn ich nur daran denke, dass man mich nach einer verhauenen Show am besten nicht anspricht. Thomas jedoch bleibt auf bewundernswerte Weise bei sich, obwohl bei einem so großen Klub wie Borussia Dortmund so viel auf ihm lastet. 

Ich habe schon häufiger gedacht, dass ich mir davon eine Scheibe abschneiden sollte. Wenn ich ihn heute sehe, erkenne ich aber auch den Ehrgeiz wieder und die Ambition, die er damals schon ausgestrahlt hat, als er nicht nur Barkeeper, sondern vor allem Jugendtrainer beim VfB Stuttgart war. Er hat früher schon sehr analytisch und akribisch gewirkt, zugleich aber auch emotional. Thomas beschäftigt sich nicht nur mit den neuesten Entwicklungen in allen Bereichen des Fußballs. Er ist überhaupt sehr breit gefächert interessiert und für viele Dinge offen, die er dann in seinen Job zu integrieren versucht.

Moderner Stil

Für mich gehört er deshalb schon jetzt zu der Generation von Trainern, die den Sport wirklich weiterentwickeln. Es gab im Hiphop mal den Spruch: »Wer nur von Hiphop was versteht, versteht auch davon nichts.« Für Fußball gilt das genauso. Thomas zeichnen seine Modernität und sein großer Horizont aus. Nur so konnte er zum zweiten Mal in die Riesenfußstapfen von Jürgen Klopp treten und diesen Übervater schnell vergessen machen. Bemerkenswert erfolgreich ist er auch in Dortmund wieder auf Anhieb gewesen, und noch etwas kann ich als Freund von schönem Fußball sagen: Es hat richtigen Spaß gemacht, seiner Mannschaft zuzuschauen.