Unsägliche Transfer-Posse in Russland

Rassismus? Oder nicht? Oder doch?

Klar ist, dass auf die Bekanntgabe des Transfers prompte Unruhe folgte. Die Ultra-Gruppe »Zapad-5« tat sich dabei besonders hervor, wies in den sozialen Netzwerken immer wieder darauf hin, dass die Vereinsfarben von Torpedo zwar auch »schwarz« sein mögen, dass der Klub aber, zumal auf den Rängen, »weiß« sei und bleiben solle. Und wie das so ist, erblödeten sich reichlich andere Anhänger des Klubs zu ähnlich stumpfen Kommentaren und schrieben sich ihren armseligen Rassismus aus den Hohlköpfen.

Sechs Tage später erklärte Torpedos Präsidentin Elena Yelentseva schließlich, der Transfer sei gescheitert. Botaka-Ioboma, in Russland geborener Sohn kongoleseischer Eltern, der in der Jugend für Torpedo spielte und zuletzt für den ebenfalls in Moskau ansässigen FC Kazanka, werde trotz der zuvor getätigten Zusagen nicht (wieder) für den Verein spielen.

Naheliegender Gedankensprung



Schnell zählte »goal.com« eins und eins zusammen und kam auf die Schlagzeile, der Rassismus der Anhänger sei Schuld am geplatzten Deal. Noch schneller war die Meldung in der Welt verbreitet und mithin der naheliegende Gedankensprung, die in Sachen Rassismus alles in allem problemlose Weltmeisterschaft in Russland sei letztlich eben nur eine Ausnahme zur Image-Aufbesserung gewesen.



Dass der Klub die Vorwürfe alsbald von sich und drauf hinwies, der Wechsel sei allein deswegen nicht zustande gekommen, weil Botaka-Ioboma urplötzlich ein Handgeld wollte, dass der Verein nicht bereit war zu zahlen? Dass die Präsident verlauten ließ: »Rassismus hat kein Recht, zu exisitieren. Hautfarbe ist niemals ein Kriterium, um einen Spieler auszusuchen«? Verhallte fast ungehört.

Es bleibt traurig



Was bleibt, ist der traurige Umstand, dass der Vorfall überhaupt für möglich gehalten wird. Dass nicht sofort die Alarmglocken läuten, sobald es heißt: »Fans verhindern Transfer, weil ihnen die Hautfarbe des Spielers nicht gefällt.« Dass es dann nicht heißt: »Quatsch, macht doch keiner, wegen so ein paar hirnverbrannten Rassisten einen Transfer absagen!«

Was bleibt, ist der traurige Umstand, dass man sich bei so einer Meldung aufmacht, den Kader von Torpedo Moskau zu durchforsten und festzustellen: Der ungewöhnlichste, am wenigsten russische Name dieser Mannschaft, ausschließlich aus Russen bestehend, lautet Petr Ustinov. Geboren in Dresden. Aber das ist eine andere Geschichte.