Unsägliche Transfer-Posse in Russland

(Vielleicht) Rassisten

Torpedo Moskau vermeldet den Transfer eines Spielers, um ihn sechs Tage später zurückzunehmen. Aus Angst vor rassistischen Fans? Oder ist das Theater um Erving Joe Botaka-Ioboma vor allem ein Lehrstück über (russische) Stereotype?

Torpedo Moskau

Über Torpedo Moskau könnte man die schönsten Geschichten erzählen. So wie unser WM-Reporter Andreas Bock es getan hat, im Zuge seines Tauchgangs in den russischen Amateurfußball. Er schreibt:

»Ein Highlight ist das Eduard-Strelzow-Stadion von Torpedo Moskau, benannt nach der großen Klublegende aus den fünfziger und sechziger Jahren. Ein Urviech. Wenn man den Eingang an der Vostochnaya Straße passiert, wandert man einen Pfad hinab, die Flutlichter erkennt man bereits, und durch die Büsche sieht man nach ein paar Metern die mächtigen Tribünen. 13.000 Zuschauer fasst das Stadion angeblich. Im Schnitt kommen kaum mehr als 3000 Fans zu den Spielen, denn die Mannschaft, die einst im Europapokal gegen Sevilla und Manchester United gewann, kickt mittlerweile nur noch in der Dritten Liga. Die Moskauer Fußballfans nennen Torpedo den FC Millwall von Russland. Es ist hart und dreckig und manchmal auch asozial. Auf der Tribüne stehen Männer, die aussehen, wie sich Westeuropäer Russen vorstellen: breite Schultern, dichte Bärte, halbfertige Tattoos. Männer, die sich zum Spaß mit anderen Männern raufen und manchmal auch mit Bären.«

Toll. (Den kompletten, unbedingt großartigen Text gibt es hier >>>)



Man könnte die Geschichte des aktuellen Torhüters erzählen. Der nicht nur den fantastischen Namen Petr Ustinov trägt, aussieht wie eine gelungene Mischung aus Mike Werner und Perry Bräutigam und vermutlich nicht aus Zufall in Dresden geboren wurden. Man könnte natürlich auch einfach noch viel mehr über die Tragik von Klublegende Strelzow erzählen.

Scheiterte ein Transfer am Rassismus der Torpedo-Fans?

Zum Beispiel, dass er, der in Russland ähnlich populär war wie Torwart-Legende Lew Jaschin, im Vorfeld der WM 1958 verhaftet wurde, da er eine junge Frau vergewaltigt haben soll. Dass er dafür zu zwölf Jahren Haft verurteilt wurde, dass er nach fünf Jahren in die Freiheit entlassen wurden und dass er erst dann seine größten Erfolge feierte. Er, den sie den »russischen Pelé« nannten.



Man muss dieser Tage aber leider eine ganz andere Geschichte erzählen. Denn Torpedo Moskau hat unlängst von der Verpflichtung eines hoffnungsvollen Nachwuchstalents Abstand genommen. Es entstammt der eigenen Jugendabteilung. Und tritt den eigentlich schon ausgehandelten Dienst nun doch nicht an, weil die Fans dagegen sind. Weil es die Fans stört, dass der 19-Jährige Abwehrspieler Erving Joe Botaka-Ioboma eine dunkle Hautfarbe hat. So zumindest berichtete es »goal.com«.