Unions Protestaktion gegen RB

Wer hat Angst vorm roten Bullen?

Beim Spiel gegen RB Leipzig organisieren Fans von Union Berlin die bisher umfangreichste Protestaktion gegen den Brauseklub. Sie hüllen die Ränge in schwarz. Wie fühlt sich das an? Ein Ortsbesuch.

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Fast könnte man meinen, das Intro der Union-Hymne sei einst extra für diese Partie geschrieben worden. »Es war in den Goldenen Zwanzigern, so erzählt die Legende, als in Zeiten eines ungleichen Kampfes ein Schlachtruf ertönte. Eine Legende nahm ihren Lauf, ein Mythos begann zu leben…«, hallt es aus den Boxen.

»In Leipzig stirbt die Fußballkultur«

Auf den Rängen streifen sich die letzten Fans einen der 20.000 schwarzen Regenponchos über, mit denen der Protest der Union Fans gegen RB Leipzig, der längst ein Protest zahlreicher Fangruppen Deutschlands ist, auch optisch Ausdruck finden soll. Dann ist die Hymne vorbei, die Mannschaften laufen ein, aber das obligatorische »Eisern Union! Eisern Union!« bleibt aus. Die erste Viertelstunde schweigen die Fans. »In Leipzig stirbt die Fußballkultur«, steht auf den Flyern, die vor der Partie verteilt wurden, und während unten auf dem Rasen der ungleiche Kampf beginnt, legt sich eine bleierne Stille über die in schwarz gewandeten Ränge. So fühlt sich das also an, einer Beerdigung für die Fußballkultur beizuwohnen.
 
Seit Bestehen des Vereins RasenBallsport Leipzig sind Proteste gegen das Projekt nichts Ungewöhnliches, nun da RBL in der Zweiten Liga spielt, kann man sie bundesweit im Wochentakt beobachten. Die Fans von Eintracht Braunschweig verzichteten ebenso auf die Auswärtsfahrt nach Leipzig wie die Fans aus Ahlen, in zahllosen Stadien, auch in denen der ersten Liga, finden sich regelmäßig Banner gegen das Red Bull-Projekt. Dass die Fans von Union die bisher umfangreichste Protestaktion starten, verwundert nicht, die Berliner gelten als engagiert und kreativ.

Vor zwei Jahren, im Zuge der Debatte um Stadionsicherheit, fand hier an der Alten Försterei der Fangipfel statt, als 2008/09 das Stadion ausgebaut wurde und dem klammen Verein die Mittel fehlten, packten knapp 2000 freiwillige Helfer in 140.000 Arbeitstunden mit an. Im selben Jahr übernahm die Red Bull GmbH die Spielberechtigung des SSV Markranstädt und stampfte RasenBallsport aus dem Leipziger Boden, ein Marketingvehikel, das den Umsatz steigern soll, sagen die Kritiker. Endlich mal wieder eine Perspektive für Erstliga- und Familienfußball in Leipzig, freuen sich die Anhänger.

Unions Präsident kritisiert RB Leipzig

Seither verläuft ein tiefer Graben zwischen Traditionalisten und dem neureichen Emporkömmling. »Fußball ist für mich mehr als das Erzielen von Erfolg durch maximalen Kapitaleinsatz. Wenn Fußball sogar vorrangig als Marketingeinheit für eine Produktmarke benutzt wird, dann kann ich die Sorgen vieler Fußballfans gut verstehen«, positionierte sich Unions Präsident Dirk Zingler unter der Woche gegenüber der »Berliner Morgenpost« sehr deutlich. »Fußball braucht Mitbestimmung, Treue, Stehplätze, Emotionen, Financial Fair Play, Tradition, Transparenz, Leidenschaft, Geschichte, Unabhängigkeit«, heißt es auf einem Transparent der Fans, das sich wie ein Trauerflor um die Bande legt, weiß auf schwarz. Dahinter stehen die Berliner Anhänger und schweigen, während aus dem Leipziger Block zu hören ist, dass hier der RBL regiere.