Union Berlin feiert Benjamin Köhler

»Wir sehen uns wieder, ganz bestimmt«

Fans und Mannschaft von Union Berlin haben am Samstag dem am Krebs erkrankten Benjamin Köhler auf beeindruckende Weise gehuldigt. Der sagt: »Ich werde gestärkt zurückkommen, das verspreche ich euch.«

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Das Hodgkin-Lymphon ist ein bösartiger Tumor des Lymphsystems. Behandelt wird diese Krankheit mit einer Kombination aus Chemotherapie und Bestrahlung. Die Heilungschancen, wenn der Tumor früh genug entdeckt wird, sind gut bis sehr gut. Bei Kindern.

Hoffentlich auch bei Fußballern.

Seit knapp einer Woche hat Benjamin Köhler, 34, die schreckliche Gewissheit, vom Krebs befallen zu sein. Er hatte über anhaltende Bauchschmerzen geklagt und sich daraufhin untersuchen lassen. Dabei wurde der Tumor entdeckt. Hoffentlich früh genug. Die Behandlung hat bereits begonnen. »Ich werde gestärkt zurückkommen, das verspreche ich euch«, sagt der Fußballer von Union Berlin.

Er hat Familie, Freunde, Kollegen – und mindestens 18.500 Unterstützer

Was so eine Krebserkrankung und die knüppelharten Behandlungsmethoden physisch mit einem Menschen anrichten können, ist eine Sache. Welche Auswirkungen sie auf die Psyche des Patienten haben, ist eine ganz andere. Heiko Herrlich, bei dem im Herbst 2000 ein bösartiger Hirntumor entdeckt und anschließend mit einer Strahlentherapie behandelt wurde, erinnerte sich im 11FREUNDE-Interview an diese Zeit: »Jeden Tag ging wieder ein Stück Lebensqualität flöten. Ich fiel in eine schwere Depression. Ich wurde zum Hypochonder. Hatte ich irgendwo ein Zwicken, dachte ich: Mein Gott, jetzt hast du auch noch Leberkrebs! Ich war voll der Psycho. So ging das ein halbes Jahr lang. Die schlimmste Zeit meines Lebens.«

Wie jeder andere Patient auch, braucht Benjamin Köhler jetzt zwei Dinge. Gute Ärzte. Und ein Umfeld, das ihm in dieser schweren Zeit zur Seite steht und ihm hilft, den Heilungsprozess unbeschadet zu überstehen. Köhlers Leidensgenossen haben Familie, Freunde und Kollegen. Seit Samstag wissen wir: Benjamin Köhler hat Familie, Freunde, Kollegen – und mindestens 18.500 Unterstützer.

Um ihrem erkrankten Mitspieler öffentlich Mut zu machen, hatten sich die Spieler und Fans von Union Berlin etwas Besonderes einfallen lassen. Das ging schon vor dem Anpfiff los, als die Zuschauer die von Stadionsprecher Christian Arbeit vorgelesenen Spielervornamen nicht wie gewohnt mit dem jeweiligen Nachnamen ergänzten, sondern mit »Köhler, Fußball-Gott«.

Der Verein verlängerte seinen Vertrag – einen Tag nach der Diagnose

Sieben Minuten waren gespielt, da endete ein Bochumer Angriff im Toraus. Auf der Anzeigetafel in der Alten Försterei wurden Bilder von Benjamin Köhler eingeblendet, die Spieler rannten zur Ersatzbank, streiften sich Köhler-Trikots mit der Nummer 7 über und stellten sich gemeinsam mit Reservespielern, Betreuer- und Trainerstab auf Höhe der Mittellinie auf und winkten ihrem in der Präsidentenloge sitzenden Mitspieler. Gleich hinter Köhler hielt Union-Präsident Dirk Zingler ebenfalls ein Trikot mit der 7 und dem Slogan »Gemeinsam kämpfen!« in die Höhe. Zingler hatte bereits einen Tag nach der Diagnose bekannt gegeben, dass der Klub Köhlers Vertrag mit sofortiger Wirkung bis 2016 verlängern werde und anschließend erklärt: »Was immer wir beitragen können, um ihm zu helfen, das werden wir tun.«