Unfallopfer Ozan Yilmaz – Comeback nach 564 Tagen

Ein Dank an Klaus Ulonska

Wenn Yilmaz heute darüber spricht, klingt es fast ein wenig beiläufig. Eines aber wiederholt er ständig: »Ich möchte mich bedanken bei…« – ja, bei allen. Bei seiner Freundin, seinen Freunden, seiner Familie. Bei seinen Ärzten. Bei seinen Physiotherapeuten. Bei der Mannschaft. Bei seinem Trainer Uwe Koschinat. Und vor allem – Yilmaz atmet tief durch – beim kürzlich verstorbenen Fortuna-Präsidenten Klaus Ulonska, der über seine Spieler gewacht hat wie ein väterlicher Schutzpatron. »Er war so ein liebenswerter Mensch, er wird uns gerade aus dem Himmel zuschauen und sich freuen, dass wir hier sitzen und uns unterhalten«, sagt Yilmaz über Ulonska, der eine allseits beliebte Größe in Köln war, bis er im März mit 72 an den Folgen eines Herzinfarkts starb. »Ohne seine Mühe wäre es nicht möglich gewesen, dass ich wieder Fußball spielen kann.«

»Der menschliche Körper ist dazu in der Lage, die krassesten Dinge zu verarbeiten«

In Recklinghausen wurde Yilmaz zunächst wegen der inneren Verletzungen operiert. Schon am Tag darauf verlegten ihn die Ärzte nach Köln, einen weiteren Tag später hatte Ulonska einen Spezialisten in Mainz organisiert, der Yilmaz zwei Mal operieren musste, um das zertrümmerte Becken zusammenzusetzen. Die Ärzte sagten ihm schließlich, dass die Operationen perfekt verlaufen seien.

Die erfolgreiche Behandlung war der Startschuss für eineinhalb Jahre voller Physiotherapie und Aufbautraining. »Ich frage mich selbst, wie ich das geschafft habe. Aber der menschliche Körper ist dazu in der Lage, die krassesten Dinge zu verarbeiten«, sagt Yilmaz. Dabei war es neben der physischen Hindernisse auch die sportliche Situation des Vereins, die seine Rückkehr erschwerte: Im vergangenen Sommer stieg Fortuna in die Dritte Liga auf, der Kader veränderte sich, die Ansprüche stiegen. Für Yilmaz ist der Profifußball unbekanntes Terrain – die Regionalliga war bis zum vergangenen Samstag für ihn das Nonplusultra. »Es ist sensationell, dass wir den Aufstieg gepackt und uns jetzt in der Dritten Liga gehalten haben«, sagt er, »aber ich konnte mich nicht so sehr freuen wie die anderen, weil ich keinen großen Beitrag zu diesen Erfolgen leisten konnte.«

»Jeder hat ihm diesen Moment gegönnt«

Geht es nach seinem Mitspieler Hamdi Dahmani, dann gibt es keinen Grund daran zu zweifeln, dass Yilmaz schon bald wieder selbst für besondere Augenblicke verantwortlich sein wird: »Für mich war von Anfang an klar: Der kommt wieder und wird der Alte.« Dahmani bescheinigt seinem langjährigen Freund mehr Leichtigkeit und Geduld als vor dem Unfall: »Man merkt richtig, dass er wieder Teil der Mannschaft geworden ist. Sein Comeback war ein fantastischer Moment. Eineinhalb Jahre leiden, dann dieser Moment – das hat ihm jeder gegönnt.«