Über die Zickzack-Karriere von Dortmunds Wunschspieler Axel Witsel

Taktgeber der Belgier

Weswegen er im Januar 2017, ein halbes Jahr bevor sein Vertrag in St. Petersburg auslief, zu einem der begehrtesten Spieler des Kontinents wurde. Vor allem Juventus Turin roch Lunte und versuchte Witsel günstig zu verpflichten. Doch dieser hatte, mal wieder, andere Pläne. Beziehungsweise ein Angebot auf dem Tisch liegen, das man in dieser Größenordnung als Spieler nur einmal im Leben bekommt.

Der chinesische Aufsteiger Tianjin Quanjian bot dem Belgier 18 Millionen Euro - jährlich. Da der Verein außerdem noch bereit war, Zenit für einen Spieler, der nur noch sechs Monate Vertrag hatte, 20 Millionen Euro zu zahlen, war die Sache schnell in trockenen Tüchern. Und Juve guckte in die Röhre. »Es war eine sehr schwere Entscheidung. Auf der einen Seite ein Top-Klub wie Juventus und auf der anderen ein Angebot, das ich für meine Familie nicht ablehnen konnte«, sagte Witsel später der »Tuttosport«. Trotzdem reagierten viele Fans enttäuscht auf Witsels Entscheidung. Würde der seine Karriere für sehr viel Geld in China versanden lassen?

Vorbilder: Maradona und Zidane

Es kam anders. Denn trotz seines wenig renommierten Arbeitsgebers flog Axel Witsel nicht aus der Nationalmannschaft. Im Gegenteil. Der heute 29-Jährige spielte bei der WM in Russland jede Minute – bis auf die 90 gegen England in der Vorrunde, als Roberto Martinez quasi die komplette Stammelf schonte. Witsel ist auf dem Platz gereift, zu einer ruhigen, disziplinierten, aber in den besten Momenten dennoch inspirierenden Kraft.

Als Mittelfeldspieler bringt er alles mit, was man im heutigen Fußball braucht: Ballsicherheit, Dynamik, und ein herausragendes Passspiel, durch das er sich spielerisch aus schwierigen Situationen befreit. Er hat einen Überblick über das Geschehen und strahlt Charisma aus: ein echter Leader eben. Sein ehemaliger Nationaltrainer Wilmots sagte über ihn: »Er ist mein Chef auf dem Feld. Es reicht ein Blick, dann weiß er, was ich von ihm will.«

Qualitäten, die ihn zum Königstransfer des Sommers in Dortmund machen könnten. Und die endlich dafür sorgen könnten, dass Witsel dort ankommt, wo er hingehört: zu einem Topverein in einer der großen Ligen Europas. 

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Kristof Terreur ist Teil des Guardian-Netzwerkes und twitter unter https://twitter.com/HLNinEngeland