Über die schleichende Ticketpreiserhöhung der Bundesligisten

Die Rente ist sicher, die sind es Ticketpreise nicht

Teurer geworden sind für die Fans von Borussia Dortmund nicht nur die Auswärtsspiele, ihr Klub lässt sich den sportlichen Aufschwung der vergangenen Jahre nämlich gut bezahlen. Wurden Eintrittskarten gegen Energie Cottbus vor nicht einmal zehn Jahren noch für kleines Geld bei den örtlichen Fastfoodfilialen als Zusatz zu den Burger-Menüs verteilt, dreht man heute die Ticketschraube Jahr für Jahr ein Stückchen weiter. Über die letzten 15 Jahre betrachtet, also zwischen 1998 und 2013, stiegen die Tageskartenpreise der Borussia auf den Stehplätzen um stolze 90 Prozent, auf den Sitzplätzen gar um bis zu 139 Prozent. Gegen Bayern München und den FC Schalke 04 verdreifachten sie sich in diesem Zeitraum beinahe. Da fällt es den Kunden schwer, Schritt zu halten, das bundesdeutsche Durchschnittsge­­halt jedenfalls stieg im selben Zeitraum lediglich um 43 Prozent, die Renten gar nur um 16 Prozent.

Fußball bald ohne gesellschaftliche Mitte auf den Rängen?

Auch bei den Saisontickets greift der BVB inzwischen tief in die Taschen seiner Anhänger, und das trifft vor allem langjährige Kunden besonders hart. Denn abgesehen von den alljährlichen Kostenerhöhungen stufte die Borussia in den vergangenen Jahren gleich zweimal Eintrittskarten für die Unterränge der Seitentribünen in eine höhere Preiskategorie. Wer die Spiele seiner Schwarzgelben ursprünglich zu den moderaten Preisen der Kategorie 3 verfolgte, findet sich dort inzwischen in der Kategorie 1 wieder. Die Jahreskarte kostet dadurch inzwischen 164,50 Euro mehr. Die Erhöhung traf dabei jene Tribünenbereiche, in denen viele Zuschauer schon seit Jahrzehnten ihre Karte hielten, darunter auch zahlreiche Rentner und Pensionäre. Nicht jeder war in der Lage, die Erhöhungen zu stemmen, und so sorgen diese schleichend für einen Wechsel im Publikum – Gentrifizierung im Fußballstadion, wenn man so will.


(Grafik: Preiserhöhung Sitzplätze – Zum Vergrößern anklicken)

Dazu passt auch, dass 200 Dauerkarteninhabern jüngst erst ihre Dauerkarten durch den Verein gekündigt wurden. Ihre bisherigen Plätze sollen neuen VIP-Bereichen weichen. »Als Kind bin ich mit meinem Vater gekommen. Und der wurd’ auch schon von seinem mitgenommen« lautet die Zeile eines populären BVB-Lieds. Hält die Preisentwicklung jedoch in dieser Form an, gilt das zukünftig bestenfalls ab der Mittelschicht aufwärts. Die teuerste Dauerkarte der Bundesliga übrigens ist auch eine im Dortmunder Stadion, sie kostet stolze 871 Euro.

Preise bei Altkunden nur schrittweise erhöht

Doch der BVB befindet sich mit seiner Preispolitik in bester Nachbarschaft. Auch Revierrivale Schalke 04 langt inzwischen ordentlich hin. Im Vergleich zum Jahr 2008 kostet die Stehplatzdauerkarte bei den Knappen mit inzwischen 190,50 Euro immerhin 51 Prozent mehr, die günstigste Sitzplatzkarte ist mit 364 Euro für die Saison gar 73 Prozent teurer. Außerdem weiß man auch in Gelsenkirchen, wie man mehr kassiert, ohne es gleich wie eine Preiserhöhung aussehen zu lassen. Im Zuge einer Neustrukturierung wurden die ursprünglich sieben Preiskategorien in der Arena nämlich auf vier zusammengestrichen und zwei Jahre später auf fünf erweitert. Für die Schalker Fans bedeutet das schlussendlich nicht nur höhere Einzelpreise, sondern auch weniger Tickets in den günstigen Kategorien. Eine Dauerkarte im Unterrang der Südkurve war vor acht Jahren für moderate 378 Euro zu haben, inzwischen verlangt der Verein dafür 627,50 Euro. Dass diese Preiserhöhungen keinen Proteststurm ausgelöst haben, liegt daran, dass die Dauerkartenpreise für Altkunden nur schrittweise angehoben werden.


(Grafik: Preise im Wandel – Zum Vergrößern anklicken)

Mit Borussia Dortmund und Schalke 04 gehören also zwei Vereine zu den Preistreibern der Liga, die sich gerne ihrer Bodenständigkeit und sozialen Verantwortung rühmen. Doch die Rivalen aus dem Ruhrgebiet werden inzwischen von unerwarteter Seite noch weit überboten. Ausgerechnet der SC Paderborn setzt nach dem Bundesliga-Aufstieg neue Maßstäbe. 255 Euro, rund ein Viertel mehr als jeder andere Bundesligist, lassen sich die Ostwestfalen die Stehplatz-Dauerkarte kosten. Das günstigste Jahresticket für einen Sitzplatz kostet mit knapp 600 Euro mehr als das Doppelte wie bei Mainz 05 oder Werder Bremen. Vermutlich will man damit die geringe Kapazität von nur 15.000 Plätzen kompensieren. Aber dieser Einzelfall und die allgemeine Preisentwicklung in der Bundesliga werfen die Frage auf, wie lange Fußball noch ein Volkssport für die gesamte Bevölkerung sein wird.