Über die romanreife Zickzack-Karriere vom Ryan Babel


Das Leben des Ryan


Supertalent, Millionen-Flop, Rapper, Skandalnudel, Weltenbummler, weg vom Fenster: Ryan Babel war in seinem Leben schon alles Mögliche. Jetzt ist er ein alter Sack. Und immer noch nicht kleinzukriegen. 

imago images



November 2011, Hamburg: Deutschland schlägt Holland mit 3:0, Mesut Özil, Miroslav Klose und Thomas Müller verzücken die Zuschauer mit wunderschönem One-Touch-Fußball, Jogi Löw gilt als mindestens bester Trainer aller Zeiten, die Ära-Lahm-Schweini-Alle-Mann-Happy geht auf ihre Blüte zu - und die Länderspielkarriere von Ryan Babel ist endgültig vor die Wand gefahren. Nach der Blamage gegen die alten Intim-Feinde aus Deutschland, Babel erlebt sie 90 Minuten lang aus nächster Nähe auf dem Platz, wird er in Holland und für Holland keine Rolle mehr spielen. Fast sechs Jahre lang.

Über Ryan Babel, mittlerweile 32 Jahre alt und optisch so nah dran an einem Erdbeerlutscher wie nie zuvor, gibt es unerschöpflich viele Anekdoten. Die meisten sind etwas skurril, die wenigsten sonderlich schmeichelhaft für ihn. Als Liverpool-Spieler verbreitete er via Twitter nach einer Niederlage gegen Manchester United einst eine Fotomontage, die Schiedsrichter Howard Webb im ManU-Trikot zeigte. Und zahlte dafür 12.000 Euro Strafe.

Als Al-Ain-Spieler in den Emiraten, ein paar Jahre später, wurden Babels Teamkollegen und Babel selbst von den anscheinend nicht rundum zufriedenen Zuschauern mit Sandalen beworfen. Eine traf Babel an der Schulter, so dass dieser austickte und zurückwarf. Danach wurde gegen ihn demonstriert. Als Besiktas-Spieler kommentierte er bei Instagram erst vergangenes Jahr die süffisante Frage eines Fans, ob er im Vertragspoker wieder, wie früher schon auf Station in Kasimpasa, die unanständige Summe von 200.000 Euro monatlich verlangen würde, mit einer Gegenfrage. Ob er mal wieder bei der Mutter des Fans vorbeischauen solle?

»Ich spielte überhaupt keine Rolle mehr«

Mit fünf Jahren kam Babel, als eine Boeing 747 in seinem Wohnblock abstürzte, beinahe ums Leben. Die Maschine verfehlte ihn nur um wenige Meter. Als junger Profi-Fußballer nahm er Songs auf, in denen er unter anderem darüber rappte, dass er der Liverpool-Star sei, »den die Schlampen lieben«. Und. Und. Und.

Die eigentliche Geschichte über Ryan Babel ist aber eine andere. Sie hört sich zunächst mal langweilig an. Großes Talent. Kommender Weltstar. Hype. Wechsel ins Ausland. Durchbruch gelingt nicht. Karriere gerät ins Stocken. Karriere versandet. »Ich war 26 Jahre alt«, erzählte Babel kürzlich dem niederländischen Fußballmagazin »Voetbal Inside«, »und musste feststellen: Ich spielte überhaupt keine Rolle mehr.«

Damals, mit 26 Jahren, im Jahr 2012, hatte Babel schon einiges hinter sich. Er war als gefeiertes Ajax-Talent Nationalspieler geworden, für knapp 18 Millionen Euro zu Liverpool gewechselt, dann, um Schwung zu holen, nach Hoffenheim und von dort zurück zu Ajax gezogen. Nach einem ordentlichen Jahr in der Heimat setzte er seinen Agenten darauf an, ihm einen guten Klub zu finden.