Über die Festnahme von Sergei W.

Banalität des Bösen

Die Festnahme eines Tatverdächtigen macht klar: Der Anschlag auf den BVB war kein Terror, nur schwerkriminelle Habgier. Höchste Zeit, die Mannschaft endlich zur Ruhe kommen zu lassen.

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Zwei Dinge sind zur Bewältigung eines Traumas besonders wichtig, sagt das deutsche Institut für Psychotraumatologie: Sicherheit und Beruhigung. Beides ist entscheidend für die Überwindung und Verarbeitung, die spontane Heilkräfte und Erholungsprozesse des Körpers können erst dann ihre Wirkung entfalten.

Dass der mutmaßliche Verantwortliche für den Bombenanschlag auf die Mannschaft von Borussia Dortmund, der 28jährige Sergei W., verhaftet wurde, ist deshalb ein wichtiger Schritt für die Spieler, um die traumatische Erfahrung, Ziel eines Mordanschlags gewesen sein, zu überwinden.

Endlich Gewissheit, wer hinter der Explosion steckt, so profan diese auch daher kommt: Kein islamistischer Terror, keine gewaltbereiten Fußballfans, auch kein ausländischer Geheimdienst hat die Attacke geplant, sondern ein Krimineller, der seinen Profit aus fallenden BVB-Aktien schlagen wollte. Dass Sergei W. verhaftet wurde, beseitigt vorerst die diffuse Bedrohungslage für die Profis, nachdem in dem kruden Bekennerschreiben ja weitere Anschläge angedroht worden waren.

Endlich relative Sicherheit für die Mannschaft

Zu den unschönen Gewissheiten nach diesem Anschlag gehört aber auch, dass der Profifußball in Zukunft sich noch intensiver mit dem Umstand auseinandersetzen muss, dass er als gesellschaftliches Großereignis ein naheliegendes Ziel krimineller und terroristischer Handlungen ist. Das war im November 2015 so, als einer der IS-Attentäter eine Bombe im Pariser Stade de France zünden wollte. Und das ist nun wieder so, da ein offenbar skrupelloser Krimineller tote BVB-Spieler zur Gewinnmaximierung nutzen wollte.

Natürlich schockiert vieles an den polizeilichen Mitteilungen. Dass ein Verbrecher den Tod vieler Menschen in Kauf nimmt, bloß um sich am Aktienmarkt zu bereichern. Dass es offenbar wirklich nur dem glücklichen Zufall zu verdanken ist, dass nicht tatsächlich Spielern schwer verletzt oder getötet wurden. Und dass man froh sein kann, dass der Täter bei aller Professionalität beim Bombenbau offenbar bei der Ausführung so dilletantisch vorging, dass die Polizei ihm allein schon wegen seines Verhaltens im Hotel rasch auf die Spur kam. Dennoch bleibt das wichtigste Signal: Es herrscht nun relative Sicherheit für die Mannschaft. 

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