Über die Anfänge der zweiten Liga

46 Spiele, sieben Absteiger

Das war 1999, als sich die Liga längst gesundgeschrumpft hatte. Dass die beiden Staffeln 1981 zusammengelegt wurden, war nämlich wieder einmal der wirtschaftlichen Not geschuldet. 30 Millionen Mark Schulden waren ligaübergreifend zusammengekommen, was auch daran lag, dass sich im Unterhaus zahlreiche windige Geschäftemacher herumtrieben wie der Tankstellenbetreiber Erhard Goldbach, der als großzügiger Sponsor Westfalia Herne in die zweite Bundesliga gewuchtet hatte, dessen Imperium dann aber in Windeseile zusammenbrach, weil Goldbach das Entrichten von Steuern für überflüssig gehalten hatte. 30 Millionen Mark Schulden – diese Summe trieb den DFB-Oberen jedenfalls damals noch den Angstschweiß auf die Stirn.

Die neue Spielklasse wurde dann nach rätselhaften regionalen Aspekten und finanzieller Spannkraft zusammengestellt, dazu »altbekannte Schuldenmacher wie Schalke 04, Hertha BSC, Hannover 96 und Kickers Offenbach«, wie der »Spiegel« höhnte. Reich wurde auch in der Folge niemand im Unterhaus. Dafür gab es Dramen satt, insbesondere zu Saisonende, wenn es im Aufstiegsrennen heiß herging. Klubs wie Hessen Kassel segelten gleich mehrfach nur knapp am Aufstieg vorbei, andere sausten beständig im Fahrstuhl auf und ab wie der VfL Bochum oder Nürnberg. 

Darmstadt wieder mit dabei

Und wer erinnert sich nicht an das legendäre Relegationsduell zwischen Borussia Dortmund, übrigens ein Gründungsmitglied der zweiten Bundesliga, und Zweitligist Fortuna Köln in der Saison 1985/86. Das Hinspiel hatte die Fortuna in Müngersdorf mit 2:0 gewonnen, im Rückspiel rannten die Dortmunder bis zur buchstäblichen letzten Sekunde an, in der Jürgen Wegmann einen Abstauber zum 3:1 über die Linie drückte und das Westfalenstadion explodierte. Das fällige Entscheidungsspiel gewann die Borussia locker mit 8:0. Für ein Jahr wurde es dann noch mal eng. Um die Teams aus der DDR-Oberliga ins System zu integrieren, gab es 1991/92 wieder zwei Staffeln, allerdings nur mit je zwölf Mannschaften, und in der darauffolgenden Saison einen schier endlosen Ritt mit 46 Saisonspielen und sieben Absteigern, kurioserweise alle aus der alten Bundesrepublik. Da konnte man noch denken, es gehe jetzt aufwärts mit dem Ostfußball. 

Seither hat sich die zweite Liga gemacht. Sie ist vom Sammelbecken kauziger Typen und üppiger Schwarzgeldkonten zu einer Spielklasse geworden, die manchem europäischen Verband auch als erste Division gut stünde.