Über den Sehnsuchtsort Ascheplatz

»Wer auf Asche grätscht, der grätscht überall«

Doch die lustige Geschichte vom Schwimmbad hat auch ihre Kehrseite: Im Ruhrgebiet, das so etwas wie der Nukleus aller Ascheplätze des Planeten ist, und wo jeder, der etwas auf sich hält, wenn schon nicht auf der Straße, dann zumindest auf Asche das Pöhlen gelernt haben will, in diesem Landstrich also übernehmen gerade die schönen neuen Kunstrasenplätze die Herrschaft.

Was bedeutet, dass Vereine wie DJK Eintracht Borbeck um jeden Nachwuchsfußballer kämpfen müssen, weil Eltern ihre Kinder am liebsten nur im Sommer ins Schwimmbad schicken und obendrein etwas anderes darunter verstehen.

»Das ist die Angst, die Angst vor dem Zweikampf«

Und weil die sogenannte »Schmutztätowierung« – kleine Steinchen in einer Schürfwunde – selbst im rustikalen Ruhrgebiet nicht mehr zwingend als Ausweis des kernigen Kickers gilt, auch wenn Thorsten Bobkowski die erzieherische Wirkung des Belags durchaus zu schätzen weiß: »Wer auf Asche grätscht, der grätscht überall.«

Wenn er’s denn tut. Stefan Thiel, der D-Jugendtrainer, ist in der zweiten Halbzeit kurz vorm Durchdrehen. »Das ist die Angst, die Angst vor dem Zweikampf«, klagt er, als ein zierlicher Junge aus seinem Team angesichts des harschen Untergrunds und eines grobschlächtigen Gegenspielers auf den letzten Einsatz verzichtet. Immerhin, der Wind tut seine Wirkung, die Bälle werden tatsächlich länger. Das reicht aber nur, um sie besser vom eigenen Tor fernzuhalten. Am Schluss steht es 0:5.

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Der Text stammt aus dem 11FREUNDE SPEZIAL »Rivalen an der Ruhr«. Ihr findet es bei uns im Shop oder im App-Store.