Über den famosen Auftritt von Mesut Özil gegen Leicester City

Kein Platz für Eitelkeiten

Bevor Mesut Özil zum Politikum wurde, war er ein Fußballer, in den sich ganz Europa verliebt hatte. Weil er genialer spielte als der Rest. Gestern tauchte dieser Spieler endlich wieder auf.



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Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Ein Satz so abgenudelt, dass man mit etwas Mayo und ein paar Spreewaldgurken einen leckeren Salat aus ihm zaubern könnte, aber eben auch ein Satz, der nur so  tödlich oft als Kalenderspruch und von Pseudo-Philosophen genutzt wird, weil er, nun ja, stimmt. Weshalb wir einen Blick auf dieses Bild werfen müssen. 





Zu sehen sind, im Vordergrund, Mesut Özil und Pierre-Erik Aubameyang, die grade gemeinsam einen rauschhaften Spielzug zum 3:1 für Arsenal gegen Leicester City vollendet haben. Sie jubeln und schreien sich gegenseitig an und sehen dabei ein bisschen ungläubig und sehr glücklich aus. Ihre offenen Münder fragen: Ist das grade wirklich passiert? Viel wichtiger ist allerdings das, was im Hintergrund passiert: Alex Iwobi, Teamkollege der beiden Stars, springt vor Ekstase knapp acht Meter in die Luft und schaut dabei so selig, als hätte er grade seinen Erstgeborenen erfolgreich selber entbunden. Oder zumindest selber das vielleicht schönste Tor der bisherigen Saison erzielt.

Dabei hat der Nigerianer den Ball beim sagenhaften Angriff, der dem Aubameyang-Treffer vorausging, nicht ein einziges Mal berührt. Sein größter Beitrag zum 3:1 war ein Laufweg zur Außenlinie. Iwobi war beim 3:1 kein Täter, sondern ein einfacher Zeuge. Normalerweise kein Grund für einen Fußballprofi, vor Glück mit sich selbst zu jubeln. Doch jeder, der wie Iwobi Zeuge von diesem Moment wurde, kann dessen Freude nachvollziehen. 



Er spielt uneitel – und deshalb so großartig

Eine Freude, für die Mesut Özil gesorgt hatte. An dem Tor waren zwar auch andere beteiligt, der vorletzte Pass von Lacazette etwa war spitze, auch die restlichen Abläufe stimmten, das Team, dass nun zehn Spiele am Stück gewonnen hat, funktioniert ganz offensichtlich. Doch der Grund, weshalb seit gestern Abend in ganz Europa die zehn Sekunden aus dem Spiel gegen Leicester in Dauerschleife durch Timelines laufen, ist der Ex-Nationalspieler. Weil er, so wie er mit simplen Zuspielen seine Mitspieler besser macht, diesen Angriff besser machte. Beziehungsweise: zu einem genialen machte.

Er leitete ihn mit einer Ablage per Hacke ein, er ließ den Ball wunderbar vorausschauend durchlaufen zu Lacazette, er stahl sich danach sofort wieder frei, nur um den Ball danach per Außenrist quer am Keeper vorbei zu schaufeln, wodurch Aubameyang ungestört einschieben konnte. Eine Offenbarung. Vor allem, weil keine der drei Özil-Aktionen (Hackenablage, Durchlassen, Außenrist-Querpass) der Show dienten, im Gegenteil. Jede für sich war zweckmäßig, uneitel und im jeweiligen Moment die genau richtige Wahl.