Über den Aufstieg des André Breitenreiter

Breitenreiter wird wütend

Seine Weggefährten sagen, er sei ein zielstrebiger und positiver Mensch. Einer, der nicht aufstecke. Und wenn doch mal was nicht klappt, trauere er nicht den Chancen hinterher, sondern suche sich einen neuen Weg. Sein Credo: »Aus wenig viel machen.«
 
Zu Beginn der Bundesliga-Saison stapelte er erst einmal tief: »Wir sind der krasseste Außenseiter in der Bundesligageschichte.« Dann erzählte er die Geschichten von dem einzigen Platz des Vereins, von nicht mal drittklassigen Rahmenbedingungen, von einem Budget, mit dem der FC Bayern gerade mal seine Telefonrechnung bezahlen könnte.

»...und Hunde pinkeln in die Ecke«

Wer dachte, der liebe Trainer Breitenreiter finde das alles ganz putzig und charmant, der sah sich spätestens in den vergangenen Tagen getäuscht. Neulich polterte er im »Kicker«: »Hier laufen Kinder auf den Platz, hier fahren Fahrräder und Hunde pinkeln in die Ecke.«
 
So schuf er ein Szenario, in dem man nur unterschätzt werden kann. Und vielleicht war das gar nicht so blöd, denn Breitenreiter kommt ganz gerne aus der Deckung. Als er 2011 den Oberligisten TSV Havelse übernahm, lag dieser sieben Punkte hinter einem Nichtabstiegsplatz. Am Ende der Saison hielt die Mannschaft die Klasse.

Ausgerechnet: Frankfurt

Im Oktober 2014 steht der SC Paderborn auf Platz neun der Bundesligatabelle, neun Punkte, zehn Tore. Dabei war das Auftaktprogramm mit Gladbach, Bayern, Leverkusen und Hamburg alles andere als einfach. Am Sonntag geht es gegen Eintracht Frankfurt. Es ist so ein Spiel, für das der Fußballjournalismus das Wort »ausgerechnet« parat hat. Im Frühjahr 2014 geisterte der Name Breitenreiter nämlich wöchentlich durch den Frankfurter Raum. Doch der Trainer konzentrierte sich da auf Paderborn, den Aufstieg, die große Sensation, und in Frankfurt präsentierten sie bald Thomas Schaaf. Und schon 2002, nach dem Ende in Unterhaching, soll die Eintracht an Breitenreiter interessiert gewesen sein. Doch dann endeten die Gespräche abrupt. Es war der Sommer, in dem Mutter Edith das Kinderzimmer wieder herrichtete – und sich der junge André einen Plan ausdachte.