Über das schwierige Verhältnis der Dortmunder Fans zu Marco Reus


Endlich echte Liebe


Marco Reus ist seit Jahren der beste Spieler von Borussia Dortmund. Trotzdem musste er sich die Liebe vieler BVB-Fans hart erarbeiten. Warum?

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Es gibt zwei bemerkenswerte Aussagen, die in den vergangenen Wochen über Marco Reus getätigt wurden. Die eine beinhaltet ein großes Lob und stammt von Koke, Mittelfeldspieler von Dortmunds heutigem Champions-League-Gegner Atletico Madrid. Koke erzählte der »SportBild«, angesprochen auf den Dortmunder Kapitän: »Was mir imponiert: Er hatte so viele Angebote, aber er blieb bei Borussia Dortmund. Diese Vereinstreue gibt es im Fußball nicht mehr oft.« 



Koke selbst hat laut transfermarkt.de einen Fantasie-Marktwert von 70 Millionen Euro, ist seit Jahren Stammspieler in Madrid, spanischer Nationalspieler, im besten Fußballeralter, von Spitzenvereinen in ganz Europa begehrt und spielt trotzdem seit seiner Jugend für den gleichen Verein. Bei seiner bisher letzten Vertragsverlängerung – bis 2024 will er in Madrid bleiben – sagte er: »Atleti ist der Verein meines Lebens und es ist eine Ehre für mich, ein Teil der Zukunft des Klubs zu sein.« Man könnte sagen: Koke weiß, wovon er spricht. 



Geht es um DEN Marco Reus?



Umso überraschender liest sich das, was kürzlich auf »schwatzgelb.de« veröffentlicht wurde. Das Fanzine ist ein guter Gradmesser für die Stimmung rund um den Verein, seit 2000 wird dort über den BVB berichtet. Was »schwatzgelb.de« schreibt, denken so oder so ähnlich viele tausend BVB-Fans im ganzen Land. Und in einem Text über Marco Reus, der das Verhältnis des Angreifers zu den Fans zum Thema hat, heißt es: »Es gibt kaum einen anderen Spieler, der sich seinen Respekt vom Publikum in Dortmund derart verdienen musste wie Marco Reus.« 



Als Außenstehender fragte man sich fast zwangsläufig: Wie bitte?  Und: Meint »schwatzgelb.de« den gleichen Marco Reus wie wir?Geht es also um den Marco Reus, der mit Dortmund gleich in seiner ersten Saison ins Champions-League-Finale stürmte? Der in sechs Jahren BVB nie, also wirklich nie zwei Spiele am Stück mies spielte? Der, egal wie lange er verletzt war, bei seinen zahlreichen Comebacks sofort wieder auf dem Platz mit Toren und Vorlagen glänzte? Und der auch noch, als einer der ganz wenigen im Kader, tatsächlich in Dortmund verwurzelt ist? Warum zur Hölle soll dieser Spieler vom eigenen Anhang kritisch beäugt worden sein?


Im Text wird die Frage in drei Punkten und sinngemäß so beantwortet. Erstens: Marco Reus hat sich lange Zeit nicht öffentlich zum BVB bekannt. Zweitens: Die Führerschein-Aktion wurde Marco Reus von den Fans, für die Dortmunds Malocher-Image mehr ist als ein Image, wirklich übel genommen. Drittens: Marco Reus ist so gut, irgendwann verlässt er den Verein auf jeden Fall. Schlimmstenfalls in Richtung München.