TSG-Manager Schindelmeiser

»Es ist ein Traumberuf«

Er gilt als Strippenzieher, als heimlicher Vater des Erfolgs und als mächtiger Macher von 1899 Hoffenheim - doch in der Öffentlichkeit ist Manager Jan Schindelmeiser kaum bekannt. Wir stellen ihn vor. TSG-Manager SchindelmeiserImago Während sein Kollege Uli Hoeneß von Fußball-Rekordmeister Bayern München in den Medien omnipräsent ist, steht der 44-Jährige beim Sensationsteam (noch) im Schatten von Mäzen Dietmar Hopp und Trainer Ralf Rangnick. Allerdings strebt Schindelmeiser die Rolle des »Kraichgau-Hoeneß« auch gar nicht an. »Ich habe allerhöchsten Respekt vor der Lebensleistung und der Arbeit von Uli Hoeneß. Aber er kann für uns nicht als Vorbild dienen. Wir orientieren uns doch lieber an uns selbst«, antwortet Schindelmeiser selbstbewusst auf die Frage nach dem möglichen Münchner Vorbild.

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Der Manager, der 246 Oberligaspiele für Göttingen 05 und die Amateure von Hessen Kassel bestritt, hat allen Grund für gesundes Selbstbewusstsein: er ist maßgeblich für den Erfolg des »Projekts Hoffenheim« verantwortlich. In die Medien drängt er deshalb nicht, »aber ich laufe auch nicht vor ihnen davon«, sagt Schindelmeiser, der ein abgeschlossenes Studium in Sportwissenschaft, Publizistik und Politik hat und zudem die Trainerlizenz besitzt. Zusammen mit Rangnick begann Schindelmeiser (»Für mich war schon früh klar, dass ich nicht als Trainer, sondern als Manager arbeiten wollte«) im Juni 2006 mit seiner Arbeit beim damaligen Regionalligisten, um bereits zwei Jahre später die Eliteklasse aufzumischen. Was 2006 ohne Trainerstab und mit großen Lücken in der Infrastruktur begonnen hat, ist mittlerweile das in ganz Deutschland gefeierte Erfolgskonzept. Dabei ist Schindelmeiser kein Neuling. Der Sportchef ist schon seit über zehn Jahren als Manager im Fußball. Zunächst besetzte Schindelmeiser diese Position bei Eintracht Braunschweig, dann bei Tennis Borussia Berlin.

Rangnick erkannte schon zu seiner Zeit als Trainer von Hannover 96 (2001 bis 2004) das Potenzial Schindelmeisers, doch die Chefetage der Niedersachsen wollte keinen Unbekannten engagieren und entschied sich damals für Ricardo Moar. Als Schindelmeiser endlich bei einem namhaften Klub angekommen war und im April 2005 seinen Managerjob beim FC Augsburg antrat, wurde er von einem Schicksallsschlag getroffen. Schindelmeisers Frau Bettina starb im Mai 2005 an Krebs, der Witwer zog sich bis zum erneuten Angebot Rangnicks ins Privatleben zurück. »Das war genau richtig, um wieder ins Leben zurückzufinden«, sagt er rückblickend. Der Manager musste seinen Schritt nicht bereuen. Schindelmeiser bewies seine Kompetenz und legte die Millionen von Hopp gut an. Während andere Klubs ihr Geld verschleuderten, leistete sich der Funktionär kaum einen Fehlgriff.

Dabei holte Schindelmeiser nicht nur teure Stars wie Chinedu Obasi oder Carlos Eduardo, sondern hatte auch ein Auge für gute Profis wie Marvin Compper und Sead Salihovic, die bei anderen Klubs ausgemustert worden waren. Selbst für Top-Torjäger Vedad Ibisevic musste Schindelmeiser nur eine Million Euro auf den Tisch legen. Bei dem jüngsten Erfolg auf allen Ebenen ist es nicht verwunderlich, dass der Manager seinen Job richtig liebgewonnen hat: »Ich habe einen Traumberuf. Ich habe mein Hobby zum Mittelpunkt meines Lebens gemacht.«