Trainer-Beben in Italien

Pure Willkür und Verzicht auf Millionen

Während Neapels Stars Lorenzo Insigne (»Das wäre ein Verrat an uns Neapolitaner«) und Piotr Zielinski (»Er kann mich anrufen, ich werde aber nicht rangehen«) vorsorglich der vesuvnahen Bevölkerung aus der Seele sprachen, ist völlig offen, was passiert, sollte der »Verrat« nicht eintreten.

Pure Willkür in den Medien

Wird Juventus dann doch am 14. Juni – wie mehrere Medien berichteten – Pep Guardiola vorstellen? Wird aus der 30-prozentigen Wahrscheinlichkeit, die die »Rai«-Kultsendung »La Domenica Sportiva« einem Wechsel von Tottenhams Mauricio Pochettino vor acht Tagen zugestanden hatte, eine 100-prozentige? Eher nicht. Längst hat die Trainerkrise der Top-Teams auch die heimischen Medien erfasst. Bei den Namen regiert bisweilen die pure Willkür.

Und bei Milan? Dort läuft alles auf Sampdoria-Coach Marco Giampaolo hinaus. Der 51-Jährige war 2015 in Empoli auf Sarri und 2016 in Genua auf Vincenzo Montella gefolgt – zwei Trainer, die wie Giampaolo selbst mit der italienischen Ergebnisorientiertheit brechen. Zuvor galt Monacos Leonardo Jardim als möglicher Nachfolger Gattusos, der sich zwar als großer Motivator mit noch größerem Herzen erwies – die junge Milan-Elf um Talente wie Patrick Cutrone, Davide Calabria und Franck Kessié jedoch nicht auf das nächste Level zu hieven vermochte.

Gattuso verzichtet auf Millionengehalt

Bei der Vertragsauflösung verzichtete Gattuso auf rund zwei Millionen Euro Gehalt, die ihm bis 2021 jährlich zugestanden hätten. Zugleich setzte er sich dafür ein, dass stattdessen sein Trainerteam in fast identischer Höhe entlohnt wird. Das brachte dem bekennenden AC-Fan nicht zum ersten Mal großen Respekt in ganz Italien ein. »Meine Geschichte mit Milan kann niemals eine Frage des Geldes sein«, erklärte der Weltmeister von 2006.

Schon wenige Tage danach fiel Gattusos Name beim AC Florenz. Wirklich wahrscheinlich ist das nicht: Der neue Boss der Fiorentina, der italo-amerikanische Unternehmer Rocco Commisso, dürfte nach Höherem streben – und die Champions League lieber schon in diesem als im nächsten Jahr gewinnen wollen.