Tränen lügen nicht

Alles wegen Schalke

Der Torwart Oliver Kahn weinte zum Abschied ausdrücklich nicht. Dafür weinten die Trainer Ottmar Hitzfeld, Huub Stevens sowie der Schiedsrichter Markus Merk. Warum nur? Warum weinten diese drei wirklich? Tränen lügen nichtImago Auf den ersten Blick sah alles so aus, als sei dies ein Spieltag gewesen, in dem Schalke einmal nicht so im Mittelpunkt stand. Kein Grund also, Schalke mit einem weiteren Wort zu erwähnen. Schalke? Diesmal nicht.

Blicken wir kurz nach München. Dort hatte sich der Schiedsrichter Markus Merk, nachdem er sein letztes Spiel geleitet hatte, auf dem Rasen in die Hocke begeben und geweint. Später saß er lange in der Kabine, und einer der vielen Sicherheitsmenschen, die die Katakomben von Stadien bevölkern, erzählte, Merk weine. Später erzählte Merk, dies sei für ihn ein sehr emotionaler Moment.

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Bleiben wir noch kurz in München. Dort hatte der Trainer Ottmar Hitzfeld vor der Partie, die seine letzte als Trainer des FC Bayern sein sollte, geweint. Er hielt einen Blumenstrauß in der Hand, die Tränen liefen über seine Backen, die manchmal so aussehen, als habe er sich gerade alle vier Weisheitszähne auf einmal entfernen lassen.

Blicken wir nach Hamburg. Dort weinte der Mann, den sie Knurrer von Kerkrade nennen. Huub Stevens, letztmals Trainer des Hamburger SV, weinte vor den Fernsehkameras, und es passt auf wunderbare Weise zu dem eigenwilligen Mann, dass es kein Foto vom weinenden Stevens gibt. Auf den Fotos weint er nicht. Im Fernsehen weint er.

Kurzer Blick nochmal nach München: Oliver Kahn weinte ausdrücklich nicht.

Aber warum weinten die anderen drei Männer? Warum weinten sie wirklich?

Nun wird es Zeit für einen zweiten Blick auf die Angelegenheit. Blicken wir also noch einmal nach Hamburg, allerdings in die Vergangenheit. Heute vor sieben Jahren, am 19. Mai 2001, schoss der FC Bayern (Trainer: Ottmar Hitzfeld) in der Nachspielzeit am letzten Spieltag gegen den Hamburger SV ein Tor dank eines Freistoßes, über den man immerhin diskutieren kann (Schiedsrichter: Markus Merk). Das hatte zur Folge, dass der FC Schalke (Trainer: Huub Stevens) nicht deutscher Meister wurde. Das allein ist schon wirklich traurig. Was aber allen Beteiligten am Samstag zusätzlich die Tränen in die Augen trieb, war der Gedanke daran, dass es am Sonntag genau 50 Jahre her war, dass Schalke mit einem Sieg gegen Hamburg zuletzt deutscher Meister wurde.

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