Total Recall für Thomas Doll

„Die Freundschaft wird ruhen“

Ab Samstagnachmittag will sich Borussia Dortmund endgültig in Richtung obere Tabellenhälfte verabschieden. Ein Sieg gegen Hansa Rostock ist die Voraussetzung. Für BVB-Coach Thomas Doll ist das Spiel ein Rendezvous mit seiner Jugendzeit. Imago Thomas Doll, Trainer von Borussia Dortmund, ist in seinem früheren Leben als aktiver Fußballer gut herumgekommen. Seine Heimat in Mecklenburg-Vorpommern hat er dabei nie aus den Augen verloren. In der kleinen Stadt Malchin wurde Doll vor 41 Jahren geboren. Wenige Kilometer weiter begann seine Karriere als Fußballprofi: Für Hansa Rostock stürmte er durch die DDR-Oberliga. Wobei, das sei angemerkt, die sportlichen Leistungsträger des „Arbeiter- und Bauernstaats” natürlich nie und nimmer Profis waren. Zu Hansa Rostock hegt und pflegt Doll bis heute eine enge Freundschaft. „Spiele gegen Hansa sind schon immer was ganz Besonderes. Aber für 90 Minuten wird am Samstag die Freundschaft ruhen. Wir sind Profis, wollen gewinnen”, erklärt er.

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Die Rahmenbedingungen für den von Doll gewünschtten Heimsieg gegen seinen Ex-Klub sehen aus Dortmunder Sicht gut aus. Knapp 70 000 Zuschauer wollen das Duell im Signal Iduna Park sehen und haben keinerlei Bedenken, dass da nur der Tabellenzwölfte (Borussia Dortmund) gegen den Tabellenvierzehnten (Hansa Rostock) antritt. 1600 Zuschauer sind übrigens Ehrengäste des BVB. So viele Karten hat der Klub an die Mitarbeiter des Nokia-Werks in Bochum vergeben.

Trainer Doll kann personell aus dem Vollen schöpfen, d.h. bis auf Roman Weidenfeller (Reha nach Schulter-Operation), Kuba Blasczcykowski (muskuläre Probleme) und Dede (Rotsperre) sind alle seine Spieler einsatzbereit. Das schürt den Konkurrenzkampf im Training.

Viel wird sich allerdings im Vergleich zum letzten Ost-West-Duell am Samstag in Cottbus bei der Aufstellung nicht ändern. Der wiedergenesene Antonio Rukavina ersetzt auf der rechten Abwehrseite seinen Platzhalter Mats Hummels. Und sollte Florian Kringe im Abschlusstraining keine Probleme mehr mit seinem Pferdekuss haben, bleibt die Aufstellung des BVB ansonsten unverändert. Philipp Degen wird erstmals seit Monaten wieder auf der Ersatzbank sitzen.

Die Borussen werden es mit einem betont defensiv eingestellten Gegner zu tun bekommen. Statt konstruktiv mitspielend, wie Cottbus vergangene Woche, werden die Rostocker destruktiv störend agieren und auf Konter lauern. Mit 29 Gegentoren hat Hansa, hinter Hertha, die beste Deckung der Klubs in der unteren Tabellenhälfte. 19 eigene Tore in 20 Spielen sprechen allerdings nicht für eine schlagkräftige Offensive. Da sind die Nordostdeutschen Schlusslicht in der Bundesliga. „Wichtig ist, dass wir, wie gegen Cottbus, unsere Fehler abstellen und bei Standards und einfachen Bällen aufpassen”, erklärt Doll. Dann sollte gegen Hansa „Harmlos” Rostock nicht viel passieren.

Die BVB-Zielrichtung ist klar. „Wir wollen aus dem Niemandsland wegkommen”, sagt Doll. „Vielleicht können wir eine Serie hinlegen.” Ein Sieg gegen Rostock würde der zweite in Folge sein. Wichtig wäre dann, dass die Borussen am Dienstag im DFB-Pokal gegen Hoffenheim nachlegen. Denn der Weg in den begehrten internationalen Wettbewerb ist über den nationalen Pokal wesentlich einfacher als über die Tabelle der Bundesliga.