Tipp zum 11mm-Festival

Er machte die Leute glücklich

Am Wochenende läuft das 11mm-Festival in Berlin. Ein Film befasst sich mit einem Liverpool-Trainer, an den selbst Jürgen Klopp nicht mehr heranreichen wird: Bill Shankly.

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Das sakrale Lied der Liverpool-Fans ist auf der ganzen Welt bekannt: You'll never walk alone. Doch fast noch gefühlvoller geht es zu, wenn die Liverpool-Fans im Pub ihr Glaubensbekenntnis anstimmen, zu dem sich Alt und Jung mit der Faust auf das Herz klopfen: »A Liverbird upon my chest – we are the men of Shanklys best«. Bill Shankly ist bis heute einer der erfolgreichsten Trainer des Vereins – doch nicht allein das sportliche Abschneiden trug zu seinem unerschütterlichen Legendenstatus in der Stadt bei. Shankly war eins mit Liverpool, den Bewohnern und den LFC-Fans. Seine Sprüche gehören noch heute zum kollektiven Sprachgebrauch der Stadt, seine Taten als Trainer zu deren Mythen. Und wenn es in den Medien hieß, Jürgen Klopp trete in die Fußstapfen von Shankly, so muss man – bei allem Respekt vor dem ehemaligen Dortmunder Trainer – sagen: Das wird nicht möglich sein.

Der Film »Shankly – Nature's fire« geht dem Phänomen nach, warum Shankly so verehrt wurde. Dabei wird deutlich, dass der Schotte zum einen wie ein Säulenheiliger verehrt, zum anderen wie ein Kumpel aus der Nachbarschaft betrachtet wurde. Bei den Aufnahmen vor dessen ehemaligem Haus erklärt Shanklys Enkelin, wie der Pfad zum Eingang zertrampelt wurde von den täglichen Heerscharen an Besuchern. In Liverpool hatte sich herumgesprochen, dass der Trainer den Fans nicht nur die Tür öffnete, sondern sie auch zum Tee hereinbat. Shankly handelte nach der Prämisse: »Es ist mein Privileg, für die Menschen in Liverpool arbeiten zu dürfen.« Das war kein leerer Pathos, sondern gelebter Egalitarismus in einem der seinerzeit größten Klubs der Welt.



Shankly schaffte mit Liverpool den Aufstieg, wurde drei Mal Meister und gewann den Uefa-Pokal. Im Film wird aber deutlich, dass gerade der Gewinn des FA-Cups 1965 den vielleicht wichtigsten Triumph darstellte. Shankly habe damit den »heiligen Gral« an die Mersey geholt und dem kompletten Klub das Sieger-Gen einverleibt, sagen die Zeitzeugen. Doch als Liverpool unter seiner Ägide im Jahr 1974 zum zweiten Mal den Pokal gewann, verkündete der große Trainer kurz darauf seinen Rücktritt. Eine Fernsehumfrage in den Straßen von Liverpool unmittelbar nach der Meldung führt den Schock der Fans vor Augen: Ihre Ungläubigkeit und Verletzung schmerzt fast physisch beim Betrachten.

»Nature's fire« ist eine anderthalbstündige Hommage an Shankly, die an manchen Stellen wohl nicht nur für Everton- oder Man United-Fans etwas zu gestreckt ausfällt. Wer aber verstehen will, wie ein Mann eine ganze Stadt wachküssen kann, wie ein Trainer zur unsterblichen Figur wird und eben wie Liverpool FC zu dem Klub mit all seiner Historie und seinen Emotionen zu jenem Klub wurde, als der er heute weltweit bekannt ist; dem sei dieser Film wärmstens ans Herz gelegt. An Hingabe für die Verwirklichung dieses Werks haben es die Macher jedenfalls nicht missen lassen. Unter den unzähligen Gesprächspartner finden sich auch Schriftsteller Irvine Welsh, Steven Gerrard oder ehemalige Spieler wie Ian St. John. Am Ende bleibt das Gefühl, das mit der Inschrift an Shanklys Statue am besten zusammengefasst ist: Er machte die Leute glücklich.

Das 11mm-Fußballfilmfestival zeigt den Film am Samstag um 17:30 Uhr im Babylon Berlin in deutscher Erstaufführung. Anhänger britischer Fußballhistorie und -kultur können danach auf dem Festival bleiben: Um 19.45 Uhr läuft »George Best: All by himself«, um 21.45 Uhr »Kenny« über eine andere LFC-Legende Kenny Dalglish. 11FREUNDE präsentiert das Festival. Hier geht es zum kompletten Spielplan.