Tim Wiese, Mann der Extreme

Zwischen King und Loser

Werder Bremen kämpft gegen Athen, doch Tim Wiese liegt mit bandagiertem Knie auf dem Sofa. Seine einer Achterbahnfahrt gleichende Karriere hat wieder einmal eine neue Wendung genommen – diesmal nach unten. Tim Wiese, Mann der ExtremeImago Ein Muskelfaserriss setzt den Torhüter des deutschen Vize-Meisters Werder Bremen wahrscheinlich für zehn bis zwölf Tage außer Gefecht. Seit Jahren geht es in der Karriere des exzentrischen Schlussmanns ähnlich schrill und bunt zu wie derzeit zum 973. Mal auf dem Bremer Freimarkt, dem traditionellen hanseatischen Volksfest auf der Bürgerweide.

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»Man muss ihn einfach lieben - oder hassen«, brachte kürzlich sein ehemaliger Mitspieler Patrick Owomoyela, jetzt in Diensten von Borussia Dortmund, den Charakter des extrovertierten Keepers auf den Punkt. »Zwischen King und Loser geht es im Profifußball eben ganz schnell hin und her, gerade als Torwart. Aber man darf das nicht zu sehr an sich heranlassen«, lautet die Maxime des 26-Jährigen, der aktuell die Nummer zwei im Tor der deutschen Nationalmannschaft ist, obwohl er in die Liga schon 19 Gegentore kassierte - Höchstwert aller 18 Klubs.

Weniger Muskeln, mehr Geschmeidigkeit

Was dem früheren Lauterer noch fehlt, ist ein echtes Länderspiel und ein Titel mit Werder Bremen, beides ist für Wiese aber nur noch eine Frage der Zeit: »Meinen Nationalmannschaftstraum, den jeder Fußballer träumt, werde ich mir bestimmt noch erfüllen. Und was Werder angeht: In den drei Jahren in Bremen war ich einmal Dritter und zweimal Zweiter, jetzt muss der Titel her.« Dafür arbeitet Wiese, der nach zwei Kreuzbandrissen insgesamt fast ein Jahr pausieren musste, intensiver denn je, hat sogar Muskelmasse abgebaut, um noch beweglicher zu werden.

Dennoch: Auf der Linie und bei Eins-gegen-Eins-Situationen in der Nähe der Weltklasse, sind die Defizite in der Strafraumbeherrschung und bei hohen Flanken noch längst nicht verschwunden. Immer in Verbindung gebracht wird der gebürtige Rheinländer aber auch mit spektakulären Aussetzern wie der schon legendären Wiese-Rolle in der Königsklasse bei Juventus Turin 2006 und einer rüden Kung-Fu-Attacke im letzten Bundesliga-Nordderby gegen Stürmer Ivica Olic vom Hamburger SV in der vergangenen Saison. Diese Aktion brachte einen HSV-Fan derart auf die Palme, das er den stets sonnenbankgebräunten Schlussmann wegen gefährlicher Körperverletzung anzeigte, zu einem Gerichtsverfahren kam es allerdings nicht.

Privat haben Lebensgefährtin Grit und Töchterchen Alina Wiese schon ein bisschen gezähmt, nur von seinem extravaganten Hobby mag der selbstbewusste Keeper nicht lassen - der Modellfliegerei. An trainingsfreien Tagen ist Wiese regelmäßig auf dem Flugplatz von Ahlhorn zu finden, wo er mit der Fernbedienung Mini-Jets steuert, die eine Höchstgeschwindigkeit von 300 Kilometern pro Stunde erreichen können.