Thomas Sobotzik über seine Zeit in Chemnitz

Wüste Beschimpfungen und Bedrohungen

Konkret benennt er ein Erlebnis mit der aktiven CFC-Fanszene im Mai diesen Jahres: »Das Spiel, in dem wir faktisch in die 3. Liga aufgestiegen sind. Noch während des Heimspiels gegen Meuselwitz, als ich kurz vor Abpfiff in die Fankurve gegangen bin, um alle zu beruhigen, weil ein Platzsturm drohte, wurde ich von einigen sogenannten Fans verbal beleidigt und bedroht sowie mit vollen Bierbechern beworfen und auch getroffen. Schon da fielen Worte wie ›Verpiss Dich, du Hurensohn‹ und ›Verschwinde aus Chemnitz‹. Ein weiterer Tiefpunkt waren dann in dieser Saison die Vorkommnisse nach dem DFB-Pokalspiel gegen den HSV, als ich am Ausgang des VIP-Ausgangs von einem Mitglied der aktiven Fan-Szene aufgelauert wurde, das mich mit den Worten empfing: ›Auf Dich habe ich die ganze Zeit gewartet.‹ Dann bedrängte er mich und sagte ›Verpiss Dich, Du scheiss Drecks-Jugo.‹« 


Am Tag der Entlassung von Kapitän Daniel Frahn, berichtet Sobotzik weiter, sei er am späten Vormittag telefonisch darüber informiert, dass der Spieler um 14 Uhr zu einem Gespräch mit dem Pressesprecher, Fan-Beauftragten und ihm auf der CFC-Geschäftsstelle erscheinen solle. Eine Viertelstunde nach dieser Info an Frahn und damit lange vor der öffentlichen Bekanntgabe erhielt der Sportdirektor nach eigenen Angaben per WhatsApp wüste Beschimpfungen und Bedrohungen. 

Auch der DFB ist gefordert


Abschließend kommt Thomas Sobotzik in seiner Erklärung zu dem Ergebnis, dass die Zeit in Chemnitz auch mit sportlichen Erfolgen verknüpft ist und er seine Entscheidung nicht bedauert, nach Sachsen gekommen zu sein. »Ich würde es immer wieder so machen und auch den Kampf gegen rechtsradikale Anhänger im Interesse des Vereins und auch des Images der Stadt aufnehmen und mich somit klar positionieren im Sinne des gesellschaftlichen Auftrags des Fußballs.« 

Seine Zeit beim CFC ist vorüber, seine Presseerklärung wirft jedoch ein düsteres Bild auf den Klub und sein Umfeld. Es handelt sich hierbei immerhin um einen Teilnehmer an der dritten Liga, der Prestigeklasse im Hoheitsgebiet des DFB. Es müsste im Interesse des Großverbandes sein, den Ereignissen schnellstmöglich Herr zu werden, damit zukünftige Funktionäre, die eine klare demokratische Haltung und Zivilicourage zeigen, nicht mehr derlei Repressalien ausgesetzt sind. Ein größter Sportfachverband sollte über die Mittel verfügen, an diesen Strukturen etwas zu ändern. Auch im Sinne verdienter Altinternationaler wie Capitano Michael Ballack, die bei diesem Klub einst groß wurden.