Thomas Schaaf in der Schaffenskrise

Das verflixte zehnte Jahr

Die ernüchternde Nullnummer zum Champions-League-Start gegen den zyprischen Nobody Anorthosis Famagusta nährt ausgerechnet vor dem Spiel bei Bayern grundsätzliche Zweifel bei Werder Bremen. Thomas Schaaf in der SchaffenskriseImago Es klang schon im Vorfeld ein bisschen nach Verzweiflung. In Zeitungsanzeigen, im Radio und sogar auf der Abschlusspressekonferenz hatte man bei Werder Bremen ziemlich penetrant darauf hingewiesen, dass noch Karten für das Champions-League-Heimspiel gegen Anorthosis Famagusta zur Verfügung stehen würden. Vergeblich.

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Für mehr als 1 000 Tickets gab es keinen Abnehmer - das hat es in den vergangenen fünf Jahren Königsklasse noch nicht gegeben. Ob das verwöhnte hanseatische Publikum ahnte, dass die Nullnummer gegen den zyprischen Novizen zu einem Tiefpunkt der Bremer Champions-League-Geschichte avancieren würde?

Manager Allofs wollte nichts schönreden


Passend zur schlechten Stimmung trat Sportchef Klaus Allofs in schwarzem Anzug, schwarzer Krawatte und schwarzem Hemd in der kühlen Nacht zur Generalabrechnung an. »Ich habe das Champions-League-Gefühl hier vermisst«, erklärte der 51-Jährige, »so einem Gegner muss man stärker auf den Zahn fühlen.« Allofs, gemeinhin ein Mann des Ausgleiches, wirkte tief enttäuscht, ihm gefiel es auch nicht, dass Wortführer wie Torsten Frings und Per Mertesacker das Versagen schön redeten, indem beide lediglich mit der mangelnden Torausbeute argumentierten. »Ich habe die Geilheit auf das Tor vermisst. Wir haben gedacht, Routine und Geduld reicht.«

Das langt vielleicht gegen Energie Cottbus, aber schon Exilkicker von der Mittelmeer-Insel scheinen taktisch-technisch besser geschult als der Bundesliga-Letzte. Daher betonte Allofs: »Wir müssen messerscharf analysieren, dass es so für die Champions League nicht ausreicht.«

Thomas Schaaf begründete in seinen kargen Ausführungen wechselweise, es habe »der Schuss Entschlossenheit« oder »die letzte Entschlossenheit« gefehlt. Grundsätzliche Zweifel - etwa an der Klasse seiner vier eingesetzten Angreifer - ließ der 47-jährige Trainer nicht zu. Dabei ist in Wahrheit die individuelle Mängelliste ziemlich lang; und in Einzelfällen Besorgnis erregend. Schon der Bundesliga-Start - fünf Punkten aus vier Spielen - ist mit stotterig milde beschrieben.

Dabei kann man sich eigentlich nicht erinnern, dass die Bremer in der Champions League einen biederen Kontrahenten als Famagusta zu Gast hatten. Und wer sich dann die eklatante Auswärtsschwäche auf dieser Bühne ins Gedächtnis ruft, dem schwant vor den Gastspielen bei Inter Mailand (1. Oktober) und Panathinaikos Athen (22. Oktober) nichts Gutes. Skeptiker und Schwarzmaler beschleicht das lähmende Gefühl, diese Saison der Ära Schaaf - der im Mai 2009 sein zehnjähriges Dienstjubiläum feiert - könnte zur großen Delle werden. Gemach, gemach, antwortet Allofs. »Wir können und werden viel besser spielen.« Am besten schon am Samstag beim FC Bayern; in München, glaubt der Rheinländer, »wird es ganz anders.«

Vielleicht wird auch die Formation ganz anders aussehen: erster Streichkandidat scheint neben dem seit Wochen formschwachen Clenens Fritz ausgerechnet der mit großen Hoffnungen zurückgeholte Claudio Pizarro, der bisweilen noch wie ein Fremdkörper an alter Werder-Wirkungsstätte wirkt und an dem nicht nur der Sportchef kritisiert, dass »Sicherheit und Automatismen fehlen.« Allofs: »Wir erwarten hier mehr - von jedem einzelnen.«