Thomas Hitzlsperger über Aston Villas Niedergang

Angriff auf die Champions-League-Plätze

2006 wollte der »big club« noch größer werden. Die Vorzeichen standen gut. Mit Martin O´Neill verpflichtete man einen erfahrenen Trainer, der Offensivfußball versprach. Zeitgleich entschied sich auch der langjährige Eigentümer, Doug Ellis, seine Klub-Anteile zu verkaufen. Der neue Eigentümer, der Amerikaner Randy Lerner, löste bei den Fans Begeisterung aus. War Doug Ellis dafür bekannt, jeden Cent dreimal umzudrehen und jede noch so kleine Ausgabe der medizinischen Abteilung persönlich abzusegnen, erhoffte man sich von Lerner, dass er gleich zu Beginn in den Kader investieren würde. 

Und der Amerikaner hielt Wort: er stellte Martin O´Neill alle Mittel zur Verfügung, die für einen Angriff auf die Champions-League-Plätze nötig waren. In vier Jahren durfte O´Neill 120 Millionen Pfund ausgeben. Während Spieler wie Ashley Young, Stuart Downing und James Milner zwar mitreißendenden Fußball spielten, reichte es am Ende aber nie für die Qualifikation zur Champions League. Zu Beginn der Saison 2010/11 verließ O´Neill bockig den Verein, weil Lerner ihm klarmachte, wie verschwenderisch er mit dem Geld umging.

Die Trainer wechselten, aber der Erfolg blieb aus

O´Neill hinterließ einen Scherbenhaufen – einen zu großen Kader mit Spielern die zu viel Geld verdienten, aber sportlich keine Rolle spielten. In den Folgejahren mussten die zahlreich wechselnden Manager unter diesen Voraussetzung die Mannschaft in der Premier League halten und dafür sorgen, dass Spieler mit teuren Verträgen den Verein verließen. Geld für Neuverpflichtungen war so gut wie nicht vorhanden.

Die Fans bekamen dies zu spüren, denn von nun an bewegte sich die Mannschaft Saison für Saison am unteren Tabellenende. Die Trainer wechselten häufig, aber der Erfolg blieb weiterhin aus. Gerard Houllier, Alex McLeish, Paul Lambert, Tim Sherwood und nun Remi Garde, sie alle haben es versucht und sind gescheitert. Dass die Mannschaft nicht schon früher abgestiegen ist, ist zum Großteil Christian Benteke zu verdanken. Der Belgier erzielte in 89 Premier League Partien 42 Tore.

Als er zu Beginn dieser Saison zum FC Liverpool wechselte, musste man das schlimmste befürchten. Und es kam noch schlimmer. Zuerst verabschiedete sich der beste Mittelfeldspieler, Fabian Delph, zu Manchester City, dann sollten zwölf neue Spieler integriert werden, von denen die meisten kaum bis gar keine Premier-League-Erfahrung hatten. Tim Sherwood war dieser Aufgabe nicht gewachsen.