Thomas Hitzlsperger über Aston Villas Niedergang

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Aston Villa steht vor dem Abstieg. Thomas Hitzlsperger hat selber für die Villans gespielt. Und weiß genau, was die Gründe für die Misere sind.

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Warum ich mich ausgerechnet in diesen Tagen so sehr mit Aston Villa beschäftige, ist mir selbst ein Rätsel. Die Mannschaft liegt abgeschlagen auf dem letzten Tabellenplatz in der Premier League und zeigt keine Anzeichen von Aufbäumen. Der Abstieg in die Championship ist so gut wie beschlossene Sache. Und dennoch fühle ich mich dem Verein enger verbunden, als in all den Jahren seit meinem Abschied 2005.

Ich hätte mir denken können, dass auch Aston Villa irgendwann einmal in ernsthafte Abstiegsgefahr geraten könnte und den Gang in die Championship antreten muss. Die Art und Weise, wie es zustande gekommen ist, ist jedoch beängstigend. Die eigentliche Überraschung ist, dass es noch nicht früher passiert ist.

Die Mannschaft war gespickt mit großen Persönlichkeiten

Ich wechselte im Sommer 2000 zu den Villans, kurz nachdem der Klub im FA-Cup Finale dem FC Chelsea knapp unterlag. Die Mannschaft war gespickt mit großen Persönlichkeiten, und im selben Sommer kamen Luc Nilis, Alpay Ozalan und der Franzose, David Ginola hinzu – es sollte noch weiter nach oben gehen. 

»We are a big club«

Ich war Teil dieser Mannschaft und dennoch war ich zu Beginn auch Beobachter, weil ich zwar mit den Profis trainierte, am Wochenende aber meist auf der Bank oder Tribüne saß. Ich konnte sehen, wie die Hierarchie weiterhin funktionierte: die Nachwuchsspieler putzten den Profis nicht nur die Schuhe, ihnen war auch auf dem Platz eine klare Rolle zugeteilt, die sie brav befolgten.

An der Spitze des Vereins bestimmte Doug Ellis die Geschicke. Nicht immer zur Zufriedenheit aller Fans, aber man konnte sich darauf verlassen, dass er stets im Sinne des Vereins handelte. In meinen fünf Jahren bei Aston Villa landeten wir viermal in der oberen Tabellenhälfte. Aston Villa gehörte einfach zum Inventar der Premier League und wer lange genug dabei war, wusste, »we are a big club«.