Theaterstück über die Boateng-Brüder

Fußball wird hier nicht gespielt – zum Glück

Dass der erst ganz am Ende des Stücks das erste Mal über die Bühne (auf deren Beton für die akrobatischen Darbietungen der Boateng-Schauspieler dankenswerterweise ein passender Untergrund ausgelegt ist) rollt, ist einer der Gründe dafür, warum sich der skeptische Beobachter zum Schluss ehrlich die Hände wund klatschte. Fußball wird in »Peng! Peng! Boateng!« nicht gespielt. Die Schauspieler sind keine Käfigkicker, sondern anderweitig einsetzbare Bewegungskünstler, Musiker und Tänzer.

Rap-Songs von George dienen als Soundtrack

Die fiktiven Schlachten im Wedding-Käfig oder bei Welt- und Europameisterschaften, werden in Tänzen ausgefochten. Das mag für den Ottonormal-Kurvenfreund etwas befremdlich klingen, hat aber durchaus was für sich, weil ja erstens nicht die Geschichte von Carsten Jancker aufgeführt wird, sondern die der durchaus musisch talentierten Boatengs (die Rap-Songs des Ältesten, George, dienen als Soundtrack und werden von Schauspieler Daniel Mandolini live vorgetragen) und weil zweitens die Intensität von Musik und (Break)Dance ziemlich gut mit der des Fußball harmoniert. Drittens, vielleicht ist das viel entscheidender, die Schauspieler dürfen ihre Stärken auslegen und müssen nicht mit ungelenken Übersteigern irritieren.

Ohne Pause rauscht, tanzt, schreit, streitet und versöhnt sich das Stück durch die Biografie der berühmtesten deutschen Fußballfamilie der Gegenwart und konzentriert sich dabei vor allem auf die ersten Kennenlern-Jahre im Käfig, als aus dem Weddinger Straßenjungen Kevin-Prince und dem Wilmersdorfer Mittelklasse-Boy Jerome erst Brüder, dann Freunde, Mitspieler und schließlich Gegenspieler werden. Alles unter der Leitung des allmächtigen George, der später seinen eigenen kleinkriminellen Weg geht.

Der Abi, der Wohlstands-Boateng und der Prince

Rein optisch haben die Darsteller nicht viel mit den realen Vorlagen zu tun, aber es ist sehr angenehmen, dass sich das Theater diese Freiheiten nehmen darf, weil es bei einem guten Stück ja nicht darum geht, Doppelgänger zu produzieren, sondern die Geschichten des Lebens auf die Bühne zu bringen. Das machen alle drei gut. Daniel Mandolini als etwas behäbiger, aber allseits respektierter Ghetto-Abi, Nyamandi Mushayavanhu in seiner Rolle des zunächst schüchternen Wohlstand-Boatengs, der schließlich zum Wettkämpfer und Weltmeister reift und Tamer Arslan, der offenbar ein ähnliches Temperament der Prince besitzt und dessen Zerrissenheit als bundesdeutscher Bad Boy und Afrikas Hoffnung beeindruckend rüber bringt. Assistiert wird das Trio übrigens von Raphael Hillebrand, dem besten Tänzer und Athleten in der Runde, der diverse Nebenrollen besetzt und so auch, ohne, dass der namentlich genannt wird, eine beeindruckende Darbietung als Horst Hrubesch liefert. Ein durchtrainierter dunkelhäutiger Tänzer und Schauspieler in der Rolle des Dorsche angelnden Kopfballungeheuers – and that´s what they call künstlerische Freiheit.

Man würde gerne wissen, was die Boatengs, gerade Kevin-Prince, ein bekennender und talentierter Bühnenmensch, von dieser Interpretation ihrer Geschichte halten. Vielleicht kann ihnen das Biograf Horeni bei nächster Gelegenheit entlocken, der Redakteur der »FAZ« war am Sonntag ebenfalls vor Ort und durfte sich am Ende die Glückwünsche des Publikums abholen. Die hatten er und vor allem die Macher des Theaterstücks verdient.

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