»Temos« teurer Treffer

Aufs falsche Pferd gesetzt

Erinnert ihr euch noch an Cuauhtémoc Blanco? Bei der WM 98 erfand der Mexikaner einen spektakulären Trick. Mittlerweile kämpft er als Bürgermeister gegen Korruption. Doch ein Tor gegen Real Madrid bereut »Temo« noch heute.

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Estadio Santiago Bernabéu. 89. Spielminute. Freistoß in aussichtsreicher Position für Real Valladolid. Die Chance zum Unentschieden. Der gerade erst eingewechselte Cuauhtémoc Blanco schnappt sich die Kugel. Die Chance es endlich allen zu zeigen. Der Mexikaner läuft an. Der Ball schlägt im linken Winkel ein - unhaltbar für Reals Iker Casillas. Jubel. Freude. Ekstase. Doch das Lachen wird dem Mexikaner bald vergehen.

Ein Wettschein des Grauens
29. September 2001. Vor dem Spiel gegen die »Königlichen« gibt Valladolids Keeper Albano Bizzari im Namen der Mannschaft einen Kombi-Wettschein ab. Diverse Fußball-Ergebnisse. 15 an der Zahl. So wie jede Woche. Doch diesmal sind die Tipps des von Real ausgeliehenen Torhüters anders. Sie sind gut. Zu gut. 

Was Cuauhtémoc Blanco vor dem Spiel gegen Madrid nicht weiß: Der Keeper hat auch auf die eigene Mannschaft gewettet. Natürlich hat sich Bizzari für einen Sieg der »Königlichen« und gegen das kleine Valladolid entschieden. Alles andere wäre doch Wahnsinn. Was der Angreifer ebenfalls nicht ahnt: 14 der 15 Tipps sind richtig. Zumindest bis jetzt. 

Der 10 Millionen-Euro-Treffer
Mit seinem Freistoß-Tor zum 2:2 rettet »Temo« seiner Mannschaft einen nie für möglich gehaltenen Punkt. Doch genau das ist das Problem. Damit hätte keiner gerechnet. Nicht einmal die eigenen Teamkollegen. Beim Blick auf den möglichen Jackpot wird dem Mexikaner dann klar: Er hat seiner Mannschaft einen echten Bärendienst erwiesen.

Knapp zehn Millionen Euro hätte das Team gewinnen können. Das wären rund 400.000 Euro pro Spieler gewesen. Konjunktiv, wohl gemerkt. Dank Blancos Treffer geht der Jackpot nicht an den heutigen Zweitligisten. Stattdessen bringt die Kombi-Wette am Ende »nur« knapp 60.000 Euro ein – 2300 Euro pro Kopf. 

Der »Cuauhtemina«
»Jetzt habe ich gemerkt, was mein Tor wirklich wert ist«, wird Cuauhtémoc Blanco später zitiert. Irgendwie passt diese traurige Anekdote zu der Karriere des Unvollendeten. In Mexiko wurde der bullige Stürmer zum Volksheld. In Europa wollte ihm der große Durchbruch nie gelingen. Auch weil Verletzungen den Rekordtorjäger des Confed Cups immer wieder zurückwarfen. 

Unorthodoxe Ballannahmen mit dem Rücken oder seinem Hinterteil machten ihn bekannt. Bei der WM 1998 in Frankreich machte ihn ein nie gesehener Trick weltberühmt - der »Cuauhtemina«. Im Spiel gegen Südkorea klemmte der Mexikaner an der Eckfahne den Ball zwischen beiden Füßen fest und sprang dann einfach über die Beine seiner Gegenspieler - mit Ball. Seine Gegenspieler konnten nur hinterherschauen. (Mehr davon findet ihr hier >>>)