Stuttgart siegt unbemerkt

Duisburg verliert im Stadion der Stille

Groß war der Unterschied nicht zwischen dem Deutschen Meister und Aufsteiger Duisburg: ein Abwehrfehler reichte dem VfB Stuttgart, um das Siegtor gegen einen engagierten MSV zu erzielen. Die 45.000 Zuschauer interessierte dies wenig. Chancen gab es auf beiden Seiten, doch mehr als dieser eine Treffer wollten einfach nicht fallen. Hinten war Duisburgs Torwart Tom Starke zu gut und vorne agierten die Duisburger Offensivkräfte viel zu harmlos. Aber gut und erfolgreich spielen sind zwei grundverschiedene Dinge im Fußball, wie jeder weiß. Und meistens erzielt der „Große“ den „goldenen Treffer“, aber das weiß ja auch jeder.

Kann ich mich jetzt eigentlich als Orakel bezeichnen, weil ich den Platzverweis für Mihai Tararache geahnt habe? Eigentlich nicht, denn die Wahrscheinlichkeit ist ohnehin größer als bei allen anderen Profis der Bundesliga. (Seit seinem Wechsel zum MSV im Januar 2006 wurde der Rumäne in 42 Ligaspielen fünfmal vom Platz gestellt.) Prophetisch wertvoller dagegen war meine eigentlich scherzhaft gemeinte Befürchtung, ich würde wieder meine Eintrittskarte vergessen. Zwar hatte ich sie diesmal eingesteckt, aber am Stadioneingang gab es dennoch Schwierigkeiten - und im Nachhinein kann ich es wohl nur dem Humor des Stuttgarter Ordners verdanken, dass ich das Spiel überhaupt sehen durfte.

Was war passiert? Der schwäbische Hilfssheriff hatte verlangt, dass ich zur Kontrolle meine auswärtsspielbewährten Bundeswehr-Stiefel auszog. Erschwert durch geringfügigen Bierkonsum auf der Hinfahrt dauerte dieser Akt allerdings mehrere Minuten und man hätte mir deswegen durchaus den Eintritt verwehren können, denn ich machte beim besten Willen keinen zurechnungsfähigen Eindruck mehr. Aber Schwaben sind ja lustige Zeitgenossen und daher wartete der Ordner amüsiert und geduldig ab, bis diese Peinlichkeit endlich ihr Ende fand.

Die Atmosphäre im Gottlieb-Daimler-Stadion passte sich diesem Erlebnis anschließend übrigens an: Amüsiert und geduldig verfolgte das Stuttgarter Publikum die Begegnung und machte sich selbst beim Tor kaum bemerkbar. Da mein Sichtfeld durch zahlreiche blau-weiße Fahnen stark eingeschränkt war und ich lautstark dabei war, den MSV mit Fangesängen nach vorne zu treiben, erfuhr ich vom Treffer übrigens erst, nachdem ich - verwundert über den kurzen fünfundvierzigtausendfachen Seufzer und eine lustige musikalische Einblendung - auf die Anzeigetafel geblickt und ein Bild von Mario Gomez bemerkt hatte. Aber so ist das nun mal mit diesen erfolgreichen Vereinen: Siege gegen die “Kleinen” weiß man als “Deutscher Meister von heute” einfach nicht mehr zu schätzen. Selbst Schuld, kann ich dazu nur sagen, denn mit so einer Leistung wird der VfB in dieser Saison nicht allzu oft gewinnen…