Stricken für den Verein

For those who love to knit

19:00
Alle haben ihre zwei Wollknäuel vor sich liegen und Ruta sagt, sie besorge jetzt die Nadeln. Das mit den Nadeln klingt irgendwie verrucht, als würden wir uns gleich alle gegenseitig einen Schuss setzen und dann schwitzend in der Wolle toben. Der Slogan auf der Verpackung beendet meinen Traum abrupt. »For those who love to knit« steht da. Und aus Bambus sind die Dinger auch. Jetzt fühle ich mich irgendwie öko.

19:05
Zunächst mal die statistischen Basics. 16 Maschen machen 15 Zentimeter, sagt Ruta und zieht einen Beispielschal in die Breite. Ich denke mir, so was könnte ich beim Fußball nie sagen, ohne dass mir irgendein Scherzkeks einen Spruch drückt. Gleichzeitig fallen mir unpassende Sprüche ein, die ich einem, der beim Fußball so was sagt, sofort reindrücken würde.

19:08
Anpfiff. Jetzt aber Fokus, Junge, von Anfang an bissig sein, gleich mal klar machen, wer hier der Chef ist. Aber auch erst mal Sicherheit holen, einfach stricken, nicht gleich zu viel wollen. Also nehme ich das weiße Garn in die linke Hand und versuche Rutas Bewegungen gewissenhaft nachzuahmen. Sie führt zielsicher irgendwas weißes hinter irgendwas anderes weißes, lässt dann irgendwo was los und schon gleitet die erste Masche zwischen ihren Finger genau dahin, wo sie das will. Ich wurschtel hinterher und verhedder mich. Coach Ruta muss mir den Arsch retten, aber wir sind schließlich ein Team, ein eingeschworenes Knäul. Hier strickt einer für den anderen. Ich schüttel` mir die Angst aus der Nadel und nehme einen neuen Anlauf.

19:10
Die erste Masche sitzt. Vielleicht war es Eingebung, vielleicht war es Zufall, aber auf einmal hängt da eine Art Knoten und das ist dann scheinbar der Maschenanschlag. Peter bietet mir Sekt an. Selbstgefällig, wie man nur nach Erfolgserlebnissen dieser Art auftritt, nehme ich, eine Hand am Glas, die andere geballt zur Becker-Faust, an.

19:17
Auf einmal flutscht es. Nachdem Ruta mir in einem kurzen Einzelgespräch ein paar Kniffe gezeigt hat, stricke ich mich in einen Rausch. In kurzer Zeit habe ich 20 Maschen – meine erste Reihe – weggestrickt als hätte ich nie etwas anderes gemacht. Als hätte ich mit Sechs nicht auf einem stumpfen Kunstrasenplatz Anschiss von Trainer Rotter bekommen, sondern mit Oma in der Stube Maschen gefertigt. Habe ich ein neues Hobby?

19:20
Bei Babelsberg-Fan Rico läuft es noch nicht so. Er fragt verzweifelt: »Was heißt noch mal durchziehen?« Ich würde gerne antworten: »Gib mal bei Youtube Johannes Geis Brutalo-Foul ein.«

19:26
Peter geht jetzt in die Fehleranalyse. »Ich hab glaub ich zu sehr ausgeholt und dann nicht mehr genau gewusst, wo das Loch ist.« Lange werde ich prollige Kommentare nicht mehr zurückhalten können.