Stink-Alarm in der Schweiz

Mit keinem Wasser gewaschen

Weil ein Trikotsatz ungewaschen eine Woche in einem Plastiksack vor sich hin siffte, weigerte sich eine Schweizer Mannschaft, anzutreten. Ein Skandal. Also beinahe.

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Wer je in einer Umkleidekabine neben dem Mannschafts-Dreckspatz sein Dasein fristete, der weiß, was Gestank ist. Denn mit Mannschafts-Dreckspatz ist derjenige Mitspieler gemeint, der nie, also wirklich nie, seine stulpenartigen und namenlosen Unterzieh-Dinger für die Schienbeinschoner wäscht, und der es darüber hinaus und als einziger im Team nicht extrem dämlich findet, die versifften Trainingsklamotten zwischen Dienstag und Donnerstag in der Kabine zu »lüften«, statt sie zu Hause in die Waschmaschine zu stecken.

Dessen Zeug also so dermaßen stinkt, dass einem als Sitznachbar nur zwei Möglichkeiten bleiben: durch den Mund zu atmen oder als präventive Maßnahme stets eine Hand an der Kotztüte zu haben. Es ist, um es auf den Punkt zu bringen, ganz fürchterlich.

Wer wäscht die Trikots?

Umso schöner, dass es für die offizielle Spielkleidung am Wochenende ein über die vergangenen Jahrtausende nahezu perfektioniertes System gibt, welches frisch gewaschene Trikots garantiert: Nach jedem Spiel werden die vollgeschwitzten, verknoteten und höchstens halbherzig auf links gedrehten Sachen in die Trikottasche gepfeffert. Und wer als letztes noch in der Kabine bleibt und einige weitere Kriterien erfüllt – eigenes Auto, noch nicht besoffen, unteres Mittelfeld in der Team-Hierarchie, so etwas wie Verantwortungsgefühl –, der nimmt den Scheiß mit nach Hause.

Und wäscht den Scheiß. Und trocknet den Scheiß. Und, wenn er ein echter Streber oder ein echter Arschkriecher ist, sortiert er am Ende die zusammengefalteten Trikots nach Nummern und die mit Weichspüler besänftigten Hosen nach Größe. Um sie am nächsten Wochenende wieder mitzubringen. Dann werden die Trikots zwar nie gesittet nach Nummern verteilt, weil immer irgendein Arschloch als erstes von ganz unten die Zehn herauszerrt. Aber immerhin freuen sich alle darüber, wie frisch die Dinger wieder riechen. Es ist, um es auf den Punkt zu bringen, ein Genuss!

»Capitano Zbinden sprang mit großem Schrecken zurück«

Problematisch wird es nur, und langsam bringen wir es wirklich auf den Punkt, bei Fehlern im System. So wie neulich bei der Senioren-Mannschaft des Schweizer Drittligisten Breitenrain Bern. Die sollte nämlich am vergangenen Wochenende beim FC Länggasse antreten, am liebsten natürlich in traumhaft nach gut duftenden Blumen duftenden Trikots. Doch als die Spieler in ihrer Kabine die Trikottasche öffneten, strömte ihnen stattdessen ein bestialischer Gestank entgegen.

Oder wie Trainer Oli Kehrli es dem Portal nau.ch erklärte: »Als Capitano Zbinden die Tasche mit den Trikots öffnete, sprang er mit großem Schrecken einige Meter zurück.« Wir nehmen an: zurecht! Weil die Trikots nicht gewaschen, und, noch schlimmer, nicht mal zum »lüften« an irgendeinem Kleiderhaken aufgehängt worden waren. Sondern sie sich luftdicht verpackt eine Woche lang gegenseitig mit Schwitzgestank vollgemüffelt hatten.

»Das konnten wir dem Gegner unmöglich antun«

Na klasse, dachten die Spieler also, und meinten damit natürlich eigentlich: Was für eine Scheiße. Was genau sie sagten, konnte uns – trotz kritischer Nachfrage beim Verein – nicht überliefert werden, fest steht nur: Sie weigerten sich, die Trikots anzuziehen. Auch, so erklärte es Trainer Kehrli später, aus hehren Motiven. »So zu spielen konnten wir uns, aber auch unserem Gegner unmöglich antun.«



Da der Schiedsrichter ebenfalls kein Unmensch sein wollte, zwängte er keinem Spieler ein vergammeltes Trikot über, sondern zeigte sich kulant. Er zögerte den Anpfiff so lange hinaus, bis ein anderer, gut riechender Trikotsatz angekarrt werden konnte. Am Ende gewannen die Senioren von Breitenrain das Spiel mit 2:0 und so rückte auch die Schuldfrage in den Hintergrund. Zumal, immerhin das erklärte uns der Verein per Mail, die Angelegenheit mit den nicht gewaschenen Trikots »intern gewaschen« wurde, und »der Schuldige sich entschuldigt hat.«