Stilkritik: Die verschossenen Elfmeter im Achtelfinale

Aubayer!

Das Spiel war eine Zumutung, die Strafstöße noch schlimmer. Eine Stilkritik zu den vergurkten Schüssen zwischen Bayer und Atletico.

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Lässig will jeder sein. Ob der Siebtklässler, der die Süße aus der Nachbarklasse damit zu beeindrucken versucht, dass er in schimmeligen Ecken geklaute Kippen raucht. Der Berliner Twen auf seinem Longboard im gleißenden Abendsonnenlicht der Oberbaumbrücke oder der jung gebliebene 60-Jährige mit alt gewordener Jeansjacke beim Bruce Springsteen-Konzert. Was all die Lässikos gemeinsam haben: Geht die Lässigkeit nach hinten los, wird es richtig peinlich. Muss man von der Kippe kotzen, bricht das Longboard oder sieht die Jacke aus wie Wurstpelle, bleibt nur noch Fremdscham über. Der langsame Tod für jeden coolen Hund.

Die Strafstöße waren eine Frechheit

Bayer Leverkusen hatte am gestrigen Abend die große Chance, ins Viertelfinale der Champions League einzuziehen. Dafür musste der Bundesligist lediglich Atletico Madrid im Elfmeterschießen besiegen. Das klingt natürlicher einfacher als es ist. Leverkusens Spieler hatten 120 Minuten Schwerstarbeit in den Knochen. Die Partie war furchtbar anzusehen, aber auch furchtbar anstrengend. Das Vicente Calderon pfiff Bayer im Elfmeterschießen bei jeder Bewegung nieder, der psychische Druck ist bei solch einem Duell enorm. Selbst für Profis. Aber wie die Fußballer dann ihre Strafstöße verschossen, Atleticos Raul Garcia eingeschlossen, war eine Frechheit.

Es gibt sicherlich tausend gute Ratschläge, wie man einen Elfmeter verwandelt. Und tausend Dinge, die dann in der Praxis schief gehen können. Der Rasen ist rutschig, der Elfmeterpunkt ein kleiner Sumpf, der Torwart eine Granate, der Ball rutscht vom Fuß. Was man allerdings von jedem Fußballer erwarten kann, der in der Champions League zum Elfmeterschießen antritt, ist ein sichtbare professionelle Entschlossenheit, den Ball im Netz unterzubringen. Und kein lässiges Schulhof-Raucher-Auftreten, das Fans und Gegner im Erfolgsfall signalisiert, dass man selbst mit halber Kraft ein solches Duell besteht.

Wie zur Saisoneröffnung

Den Anfang machte Madrids Raul Garcia. Er lief langsam an und schoss dann so nonchalant, als würde er gerade versuchen einem Zuschauer bei der Saisoneröffnung eine Werbepille in die Arme zu zirkeln. Genau dahin flog der Ball dann auch: Auf die Tribüne.