Steht der Videoschiri nach dem Köln-Spiel schon wieder vor dem Aus?

Anfang vom Ende

Die Entscheidung über den Kölner Protest gegen das 0:5 in Dortmund ist von beachtlicher Tragweite: Sie könnte dem Videobeweis den Garaus machen

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Jörg Schmadtke mag manchmal etwas mürrisch wirken, aber daraus sollte niemand ableiten, dass er kein heller Kopf ist. Wenn so jemand unmittelbar nach dem Abpfiff einen Protest gegen die Spielwertung ankündigt, dann bestimmt nicht, weil das Mundwerk dem Verstand davongaloppiert. Einer wie Schmadtke ist keiner, der seine Worte später wieder einfangen muss, er überlegt sich ziemlich genau, was er sagt. Und in diesem speziellen Fall weiß er, dass ein Kölner Protest gegen das 0:5 in Dortmund durchaus Erfolgschancen hat.

Der Videobeweis erlebt also seinen Super-GAU, bereits am 4. Spieltag. Das ohnehin umstrittene Hilfsmittel führt sich in einer einzigen Szene komplett ad absurdum. Es stiftet Verwirrung, wo es ordnend eingreifen soll. Es schafft exakt das unbefriedigende Ergebnis, das es eigentlich verhindern will. Und es gibt zwei Schiedsrichter – einen auf dem Platz und einen am Fernseher – der Lächerlichkeit preis, was seit dieser Saison dank eben jenes Videobeweises eigentlich der Vergangenheit angehören soll.

Verunsicherung der Schiris im Umgang mit der Materie

Natürlich können Verteidiger des vermeintlichen Heilsbringers der Fußballgerechtigkeit einwenden, dass der Videobeweis in diesem Fall bloß handwerklich falsch angewendet wurde, weil er nach dem das Match unterbrechenden Pfiff gar nicht mehr hätte zum Einsatz kommen dürfen. Das mag sein, es zeigt aber die Verunsicherung der Spielleiter im Umgang mit der Materie, wenn weder der Schiri vor Ort noch der Videoassistent (in diesem Fall mit Felix Brych immerhin einer der weltbesten Referees) merken, welchen Bockmist sie da gerade verzapfen.

Das krude Ergebnis: ein eindeutiger Regelverstoß des Schiedsrichters, um eine falsche Tatsachenentscheidung zu verhindern, die es so gar nicht gegeben hätte, weil man den der Szene vorausgegangenen Einsatz des Dortmunders Sokratis durchaus abpfeifen konnte (wenn auch nicht musste). Für so etwas hat Oma früher immer den schönen Ausdruck »Verschlimmbessern« benutzt. Denn erst der Regelverstoß gibt dem 1.FC Köln die Möglichkeit zum Protest.

Ist der Videobeweis irreparabel beschädigt?

Wenn sich Kölns Manager Schmadtke und BVB-Boss Aki Watzke darüber in die Köpfe kriegen, dann übrigens, weil sie aneinander vorbeireden. Während Watzke angesichts des 5:0-Endergebnisses moralisch argumentiert (»Man muss auch verlieren können«), beruft sich Schmadtke – völlig zurecht – auf die Spielordnung, in der ein Regelverstoß als Einspruchsgrund eindeutig festgelegt ist. Spannend für die neutralen Betrachter wird sein, wie der DFB aus dieser Nummer wieder herauskommt, ohne sein Hätschelkind Videobeweis irreparabel zu beschädigen.

Der Notausgang für den Verband könnte Paragraph 13.2c der Spielordnung sein, wonach ein Einspruch dann rechtmäßig ist, »wenn der Regelverstoß die Spielwertung als verloren oder unentschieden mit hoher Wahrscheinlichkeit beeinflusst hat«. Letztlich läuft es also auf eine Ermessenentscheidung hinaus (oder Kaffeesatzleserei, wie wir Nicht-Juristen sagen): ob das 0:2 kurz vor der Pause das Spiel vorentschieden hat. Sollte das Sportgericht diese Frage bejahen, wird dies weitreichende Folgen haben. Ein Wiederholungsspiel nicht trotz, sondern gerade wegen des Videobeweises: Das dürfte für den der Anfang vom Ende sein.