Stefan Wächter im Interview

„Hauen Sie mir eine rein!“

Rostocks Stefan Wächter ist durch viele Stahlbäder gegangen – und fühlt sich nun um so stärker für die neuen Aufgaben. Wir sprachen mit ihm über die Mission Klassenerhalt, Konkurrenzkämpfe – und warum er nie ins Dschungel-Camp gehen würde. Imago Stefan Wächter, nur noch knapp zwei Wochen bis zum Rückrundenstart. Wie lief die Vorbereitung bislang für sie persönlich?

Also, aus meiner Sicht sehr positiv. Ich bin körperlich fit, habe gut trainiert und in den Trainingseinheiten voll mitgezogen. In den Vorbereitungsspielen habe ich ja nun nicht so viel zu tun gehabt, aber ich denke, dass ich auch da gute Leistungen gezeigt habe.

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Nach dem 15. Spieltag wurden sie durch Jörg Hahnel ersetzt, inzwischen hat Trainer Pagelsdorf den offenen Konkurrenzkampf ausgerufen. Spornt Sie das in der Vorbereitung noch zusätzlich an?

Die Frage höre ich natürlich nicht zum ersten Mal, ich kann mich nur wiederholen: Ein Konkurrenzkampf ist für mich besser als ein Freifahrtsschein zwischen den Pfosten.

Inwiefern?

Da habe ich einfach mehr Ansporn. Mir tut es gut, wenn ich mehr Druck habe.

Spürt man nicht mehr Sicherheit, wenn man als Torhüter als unumstrittene Nummer Eins gesetzt ist?

Sicherheit gibt es nie im Fußball. (überlegt) Auch als Torwart nicht. Dass unser Trainer Vertrauen in mich hat, das hat er ja oft genug geäußert. Daran hat sich ja in dem vergangenen halben Jahr auch nichts geändert.

Wie kann man sich den Konkurrenzkampf unter Torhütern im Trainingslager vorstellen? Schießt man die Bälle beim Warmmachen extra hart oder versteckt die Handschuhe?

Ach Quatsch, nichts in der Richtung. Das ist ganz normal, so wie sonst auch. Ich habe schon viele Konkurrenzkämpfe in meiner Karriere mitgemacht, so etwas gibt es in jedem Verein. Aber dass man dem anderen gegenüber bösartig ist ist nicht der Fall.

Wie sieht denn ihr aktueller Tagesplan aus, in der heißen Phase der Winterpause?

Ganz normal, so wie immer: Wir haben zweimal am Tag Training, morgens um zehn und mittags um zwei. Dazwischen haben wir ein wenig Ruhe, gehen Mittagessen. Also nichts Außergewöhnliches.

Dem „Kicker“ gegenüber haben Sie behauptet, sich ihrer Stärken noch nie so bewusst zu sein wie jetzt. Was macht Sie so selbstsicher?

Ich bin mir allgemein meiner Stärke bewusst. Aber ich habe schon einige Konkurrenzkämpfe hinter mich gebracht, bereits das ein oder andere Tal durchschritten und mich daraus immer wieder selbst befreit. Und in den Konkurrenzkämpfen habe ich mich durchgesetzt, die Erfahrungswerte sind also durchweg positiv. Das macht mich meiner eigenen Stärken so sicher.

Sie haben die Täler angesprochen, aus denen sie sich befreien mussten. Wie macht man das – redet man sich stark, setzt man auf Kontinuität in der Trainingsarbeit oder gibt es gar kein Allheilmittel?

Sie sprechen vom Saisonstart gegen Bayern und Nürnberg? Darüber möchte ich eigentlich nicht mehr nachdenken. Da haben schon alle aufgeschrien und mich abschrieben (Die Rostocker Fans forderten den zu Schalke abgewanderten Matthias Schober zurück ins Hansa-Tor, Anm. d. Red.). Doch das sind Situationen, die viele Torhüter in der Bundesliga erleben, da muss man sich eben selbst heraus kämpfen. Es ist ganz normal, Schwächephasen zu erleben.

Das geht in Rostock ja womöglich noch schneller als anderswo. War das ein Grund für ihren Wechsel: die Möglichkeit, sich als Hansa-Torwart noch öfter zu beweisen?

Naja, der Grund für den Wechsel war einfach der, dass ich spielen konnte. Da mir das in Hamburg nicht mehr möglich war, kam das Angebot aus Rostock zur richtigen Zeit. Ich durfte spielen, der Trainer wollte mich haben, da stand dem Wechsel nicht mehr viel im Weg.

Den schwachen Saisonstart haben wir angesprochen, danach zeigten Sie   souveräne und gute Spiele. Erst diese Fehler gegen Hannover…

Diese Fehler?

Der Fehler…


Ok. (lacht) Da werden einem sonst Dinge in die Schuhe geschoben, die so nicht stimmen. Auch das Tor gegen Hannover war ja nicht spielentscheidend, das war ein Treffer für die Statistik, von daher sehe ich das Spiel gar nicht so schwarz, wie es nachher gemalt wurde.

Wie sehr stört einen Torhüter Kritik von Personen, die noch nie selber zwischen den Pfosten gestanden haben?

Jemand, der noch nie im Tor gestanden hat, kann Torhüter gar nicht beurteilen, das geht nicht. Und ganz allgemein gesprochen, wie zum Teil von Fernsehkommentatoren und Journalisten über Torhüter geurteilt wird: Das ist eine Frechheit. Das gilt im Übrigen nicht nur für Kritik an meiner Person, sondern auch für Urteile über die Kollegen in der Bundesliga. Ich würde gerne mal solche Journalisten ins Tor stellen und denen ein paar Dinger mit den neuen Bällen um die Ohren schießen lassen, da würden sich einige Meinungen schnell ändern. Aber wir Torhüter müssen damit leben, das ist unser Job. Du wirst intensiver kritisiert – und oft sind die Beurteilungen einfach falsch.

Ist dann nicht eine umjubelte Parade in der letzten Spielminute ein zusätzlicher Kick und nötige Motivation?

Das gehört auch zum Job und ist nichts Außergewöhnliches. Sehen Sie, genau so, wie man runter gemacht wird, wird man nach spektakulären Paraden und guten Spielen hochgepusht. Ich hatte mal eine Diskussion mit einem Bild-Journalisten, dem ich klar machen wollte, dass ich beide Extreme nicht gut finde. Wenn ich für eine normale Parade, die man ein einfach halten muss, plötzlich in den Himmel geholt werde, dann komme ich mir selber doof vor. Insofern gleicht sich dann unnötige schlechte, mit unnötig guter Kritik aus.

Sie lassen sich nicht gerne feiern?

Wenn es überflüssig ist, nein. Ein Beispiel: Im Spiel gegen Wolfsburg halte ich einen Elfmeter, wir verlieren aber trotzdem. Danach steht in der Zeitung: „Jetzt liebt ihn ganz Rostock!“ Das ist mir dann auch peinlich.

Sie sind 29 Jahre alt, im besten Fußballeralter. Macht man sich trotzdem schon Gedanken über die Zeit nach dem Karriereende?

Wie ich schon anfangs sagte, ich bin körperlich fit und mein Ziel ist es, noch lange Zeit Fußball zu spielen. Das ist jetzt mein siebtes Profijahr und das soll noch nicht mal die Hälfte gewesen sein!

In Rostock?

Ich bin kein Prophet, aber ja: Erstmal in Rostock.

Am 1. Februar kommen die Bayern zum Rückrundenauftakt nach Rostock. Im Hinspiel wurden sie ja ordentlich verdroschen. Was hat man aus diesem Spiel mitgenommen, was werden Sie besser machen?

Wir haben vor allem aus der gesamten Hinrunde gelernt und Erfahrungen gesammelt. Die Mannschaft ist sehr jung, viele Spieler haben vorher noch nie in der Bundesliga gespielt. Jetzt sind wir gewappnet und werden von der ersten Minute an ganz anders ins Spiel gehen.

Und welcher Torhüter wird von der ersten Minute an im Spiel sein?

Ich bin sehr davon überzeugt, dass ich derjenige sein werde.

Eines müssen Sie uns aber noch versprechen: Sie robben mit Anfang 40 nicht würmerfressend durch das „Dschungelcamp“.
 
(lacht)
Also wenn ich das irgendwann mal machen sollte, dann können Sie persönlich zu mir kommen und mir eine reinhauen.

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Autor Alex Raack betreibt den zweikampfstarken Blog 3eckeneinelfer.de www.3eckeneinelfer.de .

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