Stefan Theskers fulminantes Comeback bei Twente Enschede

Die Vergangenheit hat Spuren hinterlassen

Wenige Tage danach ließ sich der gebürtige Ahauser in seiner Heimatstadt operieren. Der Eingriff, bei dem Thesker ein Hoden entfernt wurde, verlief ohne Probleme. Dennoch wusste kurz nach der Operation niemand, ob die Karriere weitergehen würde.

Seine Mitspieler widmeten Thesker den 3:1-Sieg über den SC Heerenveen nur einige Tage nach dessen Operation. Twentes Spieler machten sich vor dem Spiel in eigens kreierten Shirts warm: »Stefan sterkte«. Stefan, sei stark.

Auch in Fürth hatte man von der Erkrankung des ehemaligen Mitspielers erfahren. Die Fürther liefen vor dem Ligaspiel gegen den FSV Frankfurt mit  »Bleib stark Thes«-Shirts auf. »Ich wusste nichts davon und habe mich natürlich sehr darüber gefreut. In so einer schwierigen Zeit, tut so etwas einfach nur gut«, sagt Thesker über die beiden Gesten.

Autor seiner eigenen Erfolgsstory

Umso erstaunlicher ist, was sich vergangenes Wochenende in Enschede abspielte. Thesker, der seit Ende Januar kein Pflichtspiel bestritten hatte, gab sein Comeback im Eredivisie-Spiel gegen AZ Alkmaar – nicht mal zwei Monate nach seiner Operation. Beim Stand von 0:1 wurde er in der 71. Minute eingewechselt. Vier Minuten nach seiner Einwechslung köpfte er den Ball vor 25.000 Menschen zum 1:1-Ausgleich in die Maschen. Besser hätte es nicht laufen können. Doch Alkmaar traf zwei Minuten später zur erneuten Führung.

»Als das 2:1 für Alkmaar fiel, dachte ich nur: Mist, mein Tor hat der Mannschaft nicht geholfen«, sagte Thesker nach dem Spiel. Doch Twente und insbesondere Thesker steckten nicht auf. So kam es, dass Thesker an diesem Sonntag doch noch seine eigene kleine Erfolgsstory schrieb. In der 93. Minute köpfte er den 2:2-Ausgleich – das Stadion bebte. »Der Jubel fühlte sich für einen kurzen Moment so an, als wären wir Meister geworden – das werde ich nicht vergessen.«

Demut statt überschwänglichem Stolz

Nach seinem famosen Comeback stand der nachdenkliche Doppeltorschütze auf dem Rasen und gab ein Interview: »Ich habe eine schwere Zeit hinter mir, da tut so ein Tag natürlich unglaublich gut. Nach dem was ich durchgemacht habe, will ich eigentlich nur noch über die guten Dinge reden. Das will ich ab jetzt so beibehalten«.

Damit könnte er diese Woche beim Training anfangen. Wer von seinen Mitspielern hat es denn wohl vor ihm mal in die »Gazetta dello Sport« geschafft? Aber Prahlerei war Thesker in den vergangenen Tagen fremd, der Spieler hat Demut gelernt. So fiel es ihm sichtlich schwer, sich nach dem Spiel gegen Alkmaar vor die Kurve zu stellen und auf »Stefan Thesker«-Rufe der Twente-Fans angemessen zu reagieren.


Foto: Gazetta dello Sport

Er wollte den Moment mit der Mannschaft genießen, sagte er später, und sich nicht in den Vordergrund stellen. Dies gelang ihm auch ganz gut, doch irgendwann ließ sich Thesker zu einem Urschrei vor der Kurve hinreißen – vielleicht der Moment, in dem er sich all die negativen Moment der jüngeren Vergangenheit von der Seele schreien wollte. 

Es ist eine Geschichte die zeigt, wie schnelllebig das Fußballgeschäft ist. Von der Disko und der medialen Schelte über die Krebsdiagnose bis zum grandiosen Comeback. Ein Comeback, das es bis in die »Gazetta dello Sport« geschafft hat. Die Überschrift der Elf des Spieltages: »Stefan Thesker – due gol da Panca – zwei Tore von der Bank«. Folgende Überschrift hätte ihm sicher besser gefallen: Ein Tor gegen die Vergangenheit und ein Tor für die Zukunft.