Stefan Kuntz verlässt den VfL Bochum

Der Ruf der Heimat

Der erfolgreiche Sportvorstand des VfL Bochum in Person von Stefan Kuntz wird den Verein verlassen und vermutlich zum 1. FC Kaiserslautern wechseln. Wer beim Bundesligisten nun als sein Nachfolger antreten wird, ist völlig offen. Stefan Kuntz verlässt den VfL Bochumimago images
Als langjähriger Beobachter der Bochumer Szene könnte man die Pressemitteilung, die in nicht allzu ferner Zukunft das Licht der Öffentlichkeit erblicken wird, ohne großen Aufwand selbst verfassen. Darin wird es sinngemäß heißen, dass Stefan Kuntz den VfL auf eigenen Wunsch verlässt, um aus persönlichen Gründen in die Heimat zurückzukehren. Zwar bedauere man diese Entscheidung sehr, wolle dem verdienten Sportvorstand andererseits aber keine Steine in den Weg legen und habe deshalb der angestrebten Vertragsauflösung widerstrebend zugestimmt. Natürlich wünsche man Kuntz, der hervoragende Arbeit für den Klub geleistet habe, alles erdenklich Gute für die Zukunft. Zwischen den Zeilen aber kann man lesen: Aus, das Spiel ist aus.

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Kein Kommentar

Nun wird man derzeit weder hier noch dort einen Kommentar bekommen, der dieses Szenario faktisch untermauert. Es gibt ganz offensichtlich noch die eine oder andere Frage zu klären. Kuntz selbst hält sich, um seine Position nicht zu schwächen, bedeckt und verweist auf die »laufenden Verhandlungen« mit dem VfL, ohne zu konkretisieren, worum es dabei geht, während der Klub in der Vergangenheit ja mehr als einmal darauf hingewiesen hat, dass man eines gar nicht mag: »Wasserstandsmeldungen« abzugeben.

Derweil rollt der Ball aus der Pfalz herüber ins Ruhrgebiet. Der SWR verfügt über gute Informanten, von denen einer etwas zu laut über Kuntz' bevorstehenden Umzug nach Kaiserslautern gesprochen hat. Was, wenn es denn wahr wird, einer kleinen Sensation gleichkommt.

Denn der berühmte Klub vom Betzenberg genießt nach etwa zehnjährigem Sturzflug derzeit nicht den allerbesten Ruf und dürfte wohl kaum als erste Adresse für einen aufstrebenden Bundesliga-Manager gelten. Mehr als 100 Millionen Euro haben Stadt und Land Rheinland-Pfalz in den vergangenen 15 Jahren auf den »Betze« getragen und damit nur das von einer verschwenderischen Clique produzierte Elend potenziert. Verschwindet Kaiserslautern am Ende der laufenden Saison in der neuen, dritten Profiliga, was so unwahrscheinlich nicht ist, dann kann der FCK die jährlichen Mietzahlungen in Höhe von 3,2 Millionen Euro womöglich nicht mehr aufbringen und die städtische Stadiongesellschaft als logische Folge ihren 65-Millionen-Kredit nicht mehr bedienen. Eine Horrorvision, für die Oberbürgermeister Klaus Weichel nur ein Wort findet: »Katastrophe«.

Warum also sollte Stefan Kuntz diesen beschwerlichen und gefährlich abschüssigen Weg gehen? Vielleicht, weil er große Herausforderungen nicht scheut, weil er eine hohe Meinung hat von Trainer Milan Sasic, den er aus gemeinsamen und erfolgreichen Tagen in Koblenz kennt, weil ihm dort, wo man mit dem Rücken zur Wand steht, ein Höchstmaß an Entscheidungsfreiheit eingeräumt wird und wo seine Bezahlung durch einen eigens ausfindig gemachten Sponsor abgesichert ist.

Ob es sich dabei um den Hotelbetreiber Hartmut Ostermann handelt, der sich – allerdings mit zweifelhaftem Erfolg – bereits in Saarbrücken und Homburg engagiert hat, sei dahingestellt. Ostermann und Kuntz, dessen Familie nach wie vor im Saarland lebt, dürften sich jedenfalls nicht fremd sein.

Alte Machtverhältnisse

Und unter den genannten Bedingungen machte Kuntz' Wechsel tatsächlich Sinn. Zumal dann, wenn er erkannt hat, dass es auch ihm nicht gelingen wird, die zugespitzten Strukturen und Machtverhältnisse innerhalb des VfL Bochum zu verändern.

Aber mit wem plant der VfL Bochum nach vollzogener Trennung? Das Modell »fordernder Dynamiker« (Kuntz) ist nicht mehr erwünscht, die Marke »best angezogener Etagenkellner« (Meinhold) hatte bereits zuvor ausgedient, und der »ehrlich-schluffige Kumpeltyp« (Knüwe) passte auch irgendwie nicht ins Bild.

Ob die Gentechnik eventuell schon so weit ist, der Bochumer Führung unter die Arme zu greifen?