Spurs-Fan über das magische Jahr

Die Spurs sind nicht mehr »spursy«

Wir konnten schließlich nicht ahnen, dass sich in diesen Momenten, in der Halbzeitpause von Amsterdam ein neues Tottenham formte. Wir konnten nicht wissen, dass sich gerade der körperlich lädierte aber emotional kochende Harry Kane aufmachte, eine aufmunternde Ansprache an seine Mitspieler zu richten. Kanes glühende Sprache und seine Aufregung rührten von dem romantischen Fakt, dass er selbst jahrelang Fan dieses Klubs war, bevor er selbst zu dessen Superstar aufstieg. Der Rest ist Geschichte.

Unser Unglaube wuchs in der zweiten Halbzeit von Minute zu Minute, als wir sahen, wie das Team sein eigenes verhängnisvolles Image abstreifte. Die Spieler waren nicht mehr »spursy«, ein bekanntes Adjektiv für jemanden, der die Niederlage aus den Klauen des Sieges reißt. Sie spielten tatsächlich mit unglaublicher Hingabe, Entschlossenheit und natürlich Talent.

Diese Vorlage von Dele Alli!!!

Für mich katapultierte der feine Ableger von Dele Alli in den Laufweg von Moura dessen transzendentalen dritten Treffer in der letzten Minute in das Pantheon aller vollendeten Fußballmomente. Und dann siehst du »Poch«, wie er auf die Knie sinkt und weint... Niemand von uns konnte sich an den folgenden Tagen konzentrieren, hatten wir doch alle keine Wunder von dieser Größe in unserem Leben bezeugen können.

Es ist der Erfolg, von dem wir Fans seit den sechziger Jahren voller Hunger und Träumerei singen. Enttäuschungen lagen bereits zur Genüge hinter uns. Halbfinals und Finalspiele mit lauwarmen Leistungen, wenn die Größe des Augenblicks das Team regelmäßig überwältigt hatte. All die Spielzeiten, die für uns eigentlich schon im Januar endeten, all die großen Siege gegen Liverpool oder United, denen das Team zuverlässig eine Pleite gegen einen Absteiger in der nächsten Partie folgen ließ.

Der Mond, der Himmel und Poch

All die verpatzten Transfers (Suarez macht mich immer noch fertig), all der Spott von Arsenal-Fans, die von ihrem kontinuierlichen Erfolg sediert wurden. All die kalten Regentage mit unterirdischem Fußball, all die schrecklichen Trainer. All das, all diese Durchschnittlichkeit ergab auf eine plötzliche und magische Weise doch noch Sinn, weil es den Geist von Trotz und Träumerei geweckt hatte. Nun ergab all das Leid einen Sinn.

Oder wie es »Poch« so schön und erinnerungswürdig formulierte: »Du musst mit dem Mond träumen, wenn du zum Himmel willst.« Was auch immer am Samstag passiert - die Fans, der Verein, die Spieler, sie alle haben nun den Triumph kosten dürfen und werden diese Erinnerung nicht mehr loslassen.