Sport Club Verl 1924 e.V. – SG Dynamo Dresden 1:1

Die pure Trostlosigkeit

Die Fußball-Regionalliga Nord ist eine Liga der Demütigungen, Diskrepanzen und Schieflagen. Wem das noch nicht klar war, hätte sich den Beweis an einem Februarnachmittag im ostwestfälischen Niemandsland einholen können. Ein Bericht von einem Spiel in dem eigentlich alles, nun ja, Scheiße war. Imago Regionalliga Nord, Verl, Stadion an der Poststraße, 16. Februar 2008, 3000 Zuschauer

Schon der Weg zum sogenannten Stadion an der Poststraße spottet seiner Bezeichnung. Mitten durch Weideland, vorbei an glotzenden Pferden und beschaulichen Bauerngehöften werden hier die Gästefans auf einem Trampelpfad direkt zum Sportplatz geleitet. Dort angekommen, wähnt man sich bestenfalls in der Verbandsliga. Mit einer Fußballarena hat das Verler Rund soviel gemein, wie die berüchtigte Dresdner Anhängerschaft mit einem Operettenpublikum.

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Dass die sogenannte Stehplatz-Tribüne nichts weiter als ein betonierter Hügel ist, hat jedoch nicht nur Nachteile: Von der Partie nämlich war auf dieser Anhöhe nur wenig zu sehen. Glücklicherweise - den Kick niveauarm zu nennen, wäre weit untertrieben gewesen. Falls das Wörtchen trostlos noch hätte erfunden werden müssen, wäre das mit Sicherheit an diesem Nachmittag in Verl geschehen.

Das Hauptinteresse der pöbelnden Anhängerschar aus dem Osten richtete sich daher auf die einzige Bratwurst- und Bierbude im Gästeblock. Doch auch dort regierte in den Augen der durstigen Mobs nichts als Dilettantismus. Vier verzweifelte A-Jugendliche des SC Verl standen in ihren Trainingsanzügen am Zapfhahn und mühten sich verzweifelt, der enomen Nachfrage gerecht zu werden. Gerade zur Halbzeit aber fand sich statt Bier immer mehr Schaum in den Bechern. Der Stimmung am Büdchen tat das natürlich erheblichen Abbruch. Es wurde lauthals krakelt, wütend am Blech getrommelt und munter gedrängelt. Kurzum: Es wurde nach Herzenslust herumgeprollt.

Als schließlich einer der bebrillten Jugendspieler zaghaft bekennen musste: „Das Bier ist alle”, sorgte das für großes Hallo. „Halt die Schnauze, wir wollen was zu saufen”, brüllte ein Dynamo-Fan dem eingeschüchterten Junior zu und verkannte dabei wohl den Ernst der Situation. Der Dorfklub hatte die Trinkfestigkeit der Gäste tatsächlich unterschätzt.

Dass die Bierbude noch steht, ist wohl nur der Tatsache zu verdanken, dass zeitgleich auf den nur einen Becherwurf entfernten Sitzplätzen eine kleine Rangelei mit den Sicherheitskräften in grün-weiß angezettelt wurde. Gefährlich schwankende Dixie-Toilettenhäuschen vor behelmten Polizisten übten augenscheinlich eine größere Faszination aus. Dass die Begegnung schließlich 1:1 endete, interessierte keinen.

Die Fans hatten andere Sorgen, beschäftigten sich lieber alltagsphilosophisch mit der ländlichen Umgebung: „Scheiße, hier liegt ja überall Kuhscheiße”, sagte ein schwarz-gelb gewandeter Anhänger zu seinem Kumpan. Der antworte: „Das ist keine Kuhscheiße, das ist Pferdescheiße.” Woraufhin der erste entrüstet zu Bedenken gab: „Das ist doch scheißegal, was das für Scheiße ist.” Mehr Worte müssen über einen Auftritt in Verl auch nicht verloren werden.