Spieler des Spieltags: Michael Esser

Hannovers letzte Hoffnung

Für den eigenen Präsidenten ist der Abstieg von Hannover 96 quasi schon besiegelt. Falls es doch noch etwas mit dem Klassenerhalt werden sollte, muss sich nicht nur Martin Kind bei seinem Torwart bedanken. Und bei dessen Diätplan.

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Martin Kind ist ein Freund der klaren Worte. Egal, ob es um seinen Klub (»Scheißverein«), unliebsame Fans (»Arschlöcher«), oder die eigene Mannschaft geht. »Kaputt, schlecht zusammengestellt und gescheitert« sei diese, urteilte er nach dem 1:5 in Stuttgart gegenüber der Neuen Presse. Er habe sich entschieden, »dass wir erneut den direkten Wiederaufstieg erreichen wollen.« Wenn es nach dem eigenen Präsidenten geht, ist Hannover 96 nach 24 Spieltagen bereits abgestiegen. 

Zugegeben, es sieht nicht gut aus. Sieben Punkte und 22 Tore Rückstand hat Hannover auf den ersten Nichtabstiegsplatz, fünf Punkte und sechs Tore auf den VfB Stuttgart, der den Relegationsrang belegt. Der Klassenerhalt ist nicht nur für den Moment in weite Ferne gerückt. Dennoch, und darauf wies Thomas Doll nach Kinds Rundumschlag zurecht hin: »Es sind immer noch 30 Punkte zu vergeben.« 

Sollte 96 wider Erwarten doch noch den Abstieg vermeiden, können sich alle Beteiligten vor allem bei einem bedanken, den Kind bei seiner Generalabrechnung eigentlich hätte ausklammern müssen. Nur gehören Zurückhaltung und Fairness leider nicht zum rhetorischen Repertoire des Hörgeräte-Paten. 

1,98 Meter, 115 Kilo, Klempner aus Castrop-Rauxel

Michael Esser ist im gesamten Hannoveraner Kader der einzige, der diese Saison konstant – oder überhaupt mal – auf Normalniveau agiert. Ohne seinen Torwart stünde der Klub vermutlich noch schlechter dar, wenngleich das fast unmöglich scheint.

Laut Ligainsider hat Esser in der Bundesliga 113 Schüsse abgewehrt. Das ist einsame Statistik-Spitze: Auf Platz zwei dieser Liste liegt Alexander Schwolow vom FC Freiburg – mit 25 Paraden weniger. Zum Rückrundenauftakt gegen Bremen stellte Hannovers Torwart mit 14 Paraden in einem Spiel sogar einen Bundesligarekord ein. 

Dass er irgendwann mal in der Bundesliga Bestmarken erreichen würde, war in der C-Jugend nicht abzusehen. Im Gegenteil: Damals wurde der heute 1,98 Meter große Esser beim VfL Bochum aussortiert – weil er zu klein war. Er ging in die Landesliga, wo er einige Jahre später stolze 115 Kilogramm auf die Waage brachte. Fußball war nur mehr ein Hobby, Essers Vollzeitjob hieß Klempner. Klar, was könnte Michi aus Castrop-Rauxel, fast zwei Meter bei 115 Kilo, auch sonst machen.