Spaniens veränderte Mannschaft

Neue, alte Füße

Spaniens gelungener Umbruch ist in Wirklichkeit gar keiner. Trainer Vicente Del Bosque setzt vor allem auf Spieler, die lange an der goldenen Generation nicht vorbei kamen.

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Bruno Soriano hatte eine ziemlich genaue Vorstellung davon, wie er diesen Sommer verbringen würde. Zuerst einmal ausspannen. Seinen Geburtstag feiern, Strand, Familie, klar. Nebenbei wollte sich der Mittelfeldspieler vom FC Villarreal überlegen, was er nach der aktiven Karriere als Fußballer so anstellen könnte.

Vielleicht ein Engagement als Trainer im Jugendinternat seines Klubs, das wäre doch was. Schließlich ist Soriano vor ein paar Tagen 32 Jahre alt geworden, da können ein Paar Gedanken in diese Richtung nicht schaden.

Kaum zukunftsträchtig

Natürlich ist alles ganz anders gekommen. Seinen Geburtstag hat Soriano im Kreise der spanischen Nationalmannschaft gefeiert und Muße, an die Zeit nach der Karriere zu denken, bleibt ihm dieser Tage auch nicht. Es geht um Wichtigeres, den Europameistertitel genauer gesagt. Die Zukunft muss warten.

Die Zukunft muss warten, das gilt für Bruno Soriano und auch für Spanien. Der Titelverteidiger hat bisher in Frankreich mit zwei souveränen Siegen gegen Tschechien (1:0) und die Türkei (3:0) überzeugt, im abschließenden Gruppenspiel diesen Dienstag genügt gegen Kroatien ein Unentschieden zum Gruppensieg.

Spaniens Spiel wirkt so leichtfüßig, so dominant, als hätte es diese vermaledeite Weltmeisterschaft vor zwei Jahren in Brasilien nie gegeben. Zukunftsträchtig ist diese Mannschaft aber kaum, obwohl viele Gesichter im Kader neu sind und zehn der 23 Spieler über keinerlei Turniererfahrung verfügen.

Ein sanfter Übergang

Es sieht so aus, als wäre Trainer Vicente Del Bosque der Umbruch gelungen. Und im Grunde stimmt das ja auch, nur eben nicht im eigentlichen, herkömmlichen Sinne. Obwohl Spieler wie Xavi, Xabi Alonso oder David Villa nicht mehr dabei sind, ist Spaniens aktuelle Mannschaft kaum jünger als die vor zwei Jahren. Das Durchschnittsalter der Selección in Brasilien betrug 28,37 Jahre, das der EM-Mannschaft 28,10 Jahre.

Der hohe Wert kommt durch Spieler vom Typ Sorianos zustande. Der Kapitän vom FC Villarreal ist neben Aritz Aduriz (35), Nolito (29) oder Juanfran (31) einer jener Spätberufenen, auf die Del Bosque in Frankreich setzt. Zusammen kommen sie auf nicht einmal 50 Länderspiele. Spaniens Trainer hatte nach dem blamablen Vorrundenaus in Brasilien angekündigt, einen »sanften Übergang« einleiten zu wollen und ließ seinen Worten Taten folgen.