Spaniens berühmtester Fan hört auf

Der letzte Paukenschlag

Manolo Cáceres begleitete die spanische Nationalmannschaft auf 17 Turniere. In Russland fühlte er sich nicht mehr willkommen – und kündigte sein Karriereende an. Abschied von einer Legende.

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Seit 36 Jahren begleitet die spanische Nationalmannschaft bei jeder Weltmeisterschaft der selbe Soundtrack: »España« BUMM, BUMM, BUMM! »España« BUMM, BUMM, BUMM! Die Trommelschläge zwischen den Schreien hört man überall: Von der Tribüne schallen sie aufs Feld, von den Fernseher-Boxen in die Wohnzimmer und Kneipen auf der ganzen Welt. Nun werden sie verstummen.

Der Mann, der sein ganzes Leben diesem einen Geräusch gewidmet hat, heißt Manolo Cáceres, aber alle nennen ihn »Manolo, el del bombo«, Manolo, der mit der Pauke. Mit seiner großen roten Trommel und der überdimensionalen Baskenmütze begleitete er die Nationalmannschaft auf zehn Welt- und sieben Europameisterschaften. Kurz nach Spaniens Aus im Achtelfinale bei der WM in Russland gab er seinen Rücktritt bekannt. »Ich bin traurig, ich bin müde. Das war meine letzte Reise«, Manolos Stimme bricht, als er das sagt. Durch das Telefon ist zu spüren, wie sehr ihm die vergangenen Wochen zugesetzt haben.

»Mir ging es nie darum, fremde Länder zu besuchen«

Egal wo der Mann mit der Pauke hinkam, ob Mexiko oder Italien, Südkorea oder Deutschland, die Fans erkannten, umarmten und fotografierten ihn. »Mir ging es nie darum, fremde Länder zu besuchen. Die Leute lieben dich, sie bewundern dich, das war immer das Schönste«, sagt er und schiebt hinterher: »Und natürlich ‚La Roja’ zu sehen.«

Seine erste Trommel kaufte er mit 19 Jahren, um das Drittligateam in Huesca zu unterstützen. Zehn Jahre später entdeckte er seine Berufung: die spanische Nationalmannschaft. Die Mannschaft, die damals noch als rote Furie bekannt war, deren liebstes Stilmittel nicht der Kurzpass, sondern die Grätsche war, flog nach Zypern. Manolo flog im selben Flugzeug mit und war einer der wenigen Spanier vor Ort. Seitdem gehörte er dazu. »Früher hatte die Nationalmannschaft sehr wenige Fans. Alle haben sich nur für die Vereine interessiert. Jetzt kommen sehr viele junge Leute ins Stadion«, sagt er.