Southamptons Spieler verkaufen Obdachlosenzeitung

Die letzten Straßenfußballer

Man nennt die Spieler des FC Southampton »Saints«, weil der Klub aus einer Kirchenmannschaft entstanden ist. Manchmal werden die Kicker diesem Spitznamen gerecht – wie vor einer Woche, als sie eine Obdachlosenzeitung verkauften.

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Der Dienstag der vergangenen Woche schien auf den ersten Blick ein völlig normaler Tag in Winchester zu sein. In der Fußgängerzone der englischen Stadt, die etwa 20 Kilometer nördlich von Southampton liegt, standen wie üblich einige Männer in roten Westen, auf denen der Schriftzug »The Big Issue« prangte.

Vorbild für Deutschland

Das ist der Titel einer der ältesten und bekanntesten Straßenzeitungen der Welt. Seit 1991 wird »The Big Issue« von professionellen Journalisten erstellt und dann von Obdachlosen verkauft, die sich so ein kleines Einkommen sichern. »The Big Issue« war Vorbild für viele deutsche Obdachlosenzeitungen, wie »Hinz&Kunzt« in Hamburg, »motz« in Berlin oder »bodo – Das Straßenmagazin« in Bochum und Dortmund.

Normalerweise bieten vier Obdachlose »The Big Issue« in den Straßen von Winchester an, doch an diesem Dienstag waren es acht Verkäufer. Denn das normale Team erhielt Verstärkung von Nathan Redmond, Oriol Romeu, Manolo Gabbiadini und Florin Gardos – allesamt Premier-League-Profis des FC Southampton, drei von ihnen gar Nationalspieler.

Zum Abschluss in die VIP-Loge

Sie rührten die Werbetrommel für »The Big Issue«, weil sich ihr Klub eine ganz besondere Aktion ausgedacht hatte. Zum Auftakt der neuen Saison, beim Heimspiel gegen Swansea City, gab es kein normales Stadionheft. Stattdessen wurde den Fans eine Sonderausgabe von »The Big Issue« zum Kauf angeboten, die sich komplett dem FC Southampton widmet. Alle Verkäufer im Stadion waren Obdachlose oder ehemalige Obdachlose, die sich anschließend das Spiel aus einer VIP-Loge heraus anschauen konnten. Außerdem wird der Verein ihnen im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme Jobs anbieten.

Das heißt, so ganz richtig ist es nicht, dass der Klub sich das ausgedacht hatte. Der Anstoß kam vielmehr aus Deutschland. Im letzten August gab es in Dortmund eine Sonderausgabe von »bodo – Das Straßenmagazin« in Kooperation mit dem BVB-Fanzine »schwatzgelb.de«. Als der Gründer des »Borussia Dortmund Fan Club London«, Benjamin McFadyean, davon hörte, wollte er die Idee nach England bringen. Wenn es nach ihm geht, ist die Aktion in Southampton nur ein Anfang. »Wir sprechen gerade noch mit anderen Klubs«, sagt er. »Ich hoffe, dass das Beispiel Schule macht.«

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